Kapitel 6: Mischen, verstärken, verteilen

In diesem Kapitel werden die Module beschrieben, die sozusagen für das »Gerüst« bei einem modularen Synthesizer sorgen. Im Gegensatz z.B. zu Filtern ist man bei diesen Modulen oft an klanglich möglichst neutraler Signalverarbeitung interessiert. Ausnahmen bestätigen allerdings die Regel!

  • Mischer (Mixer) fassen Audiosignale oder Steuerspannungen zu einem gemeinsamen Signal zusammen und können dabei meistens die Eingangssignale jeweils in ihrem Pegel anpassen.
  • Abschwächer machen im Prinzip das Gleiche wie Mixer (Reduzierung von Pegeln), allerdings nur für eine einzelne Eingangsquelle.
  • Crossfader können verschiedene Signale überblenden, Panner verteilen ein Signal auf mehrere (meist 2) Ausgangskanäle und Polarisierer schließlich können invertiert den Pegel reduzieren (d.h. das Vorzeichen der bearbeiteten Spannung wird umgekehrt).
  • Schalter dienen dazu, ein Signal auf einen von mehreren Ausgängen weiterzuleiten (oder umgekehrt einen Eingang aus verschiedenen Eingängen für einen Ausgang auszuwählen), Verteiler sorgen für eine Weiterleitung eines Signals gleichzeitig an mehrere Ausgänge.
  • Verstärker werden ebenfalls zur Abschwächung von Signalen eingesetzt, sie arbeiten dabei oft spannungsgesteuert. Manche Verstärker können Eingangssignale tatsächlich um einen größeren Faktor als 1 verstärken.

Mischer

Mischer gehören zugegebenermaßen zu den eher langweiligen Modulen. Man steckt halt mehrere Quellen hinein und bekommt dann die Mischung dieser Quellen heraus. Dazwischen sollte möglichst wenig verändert werden, Verzerrungen oder beigefügtes Rauschen sind unerwünscht. In vielen Systemen sind übrigens – weil langweilig – deutlich zu wenig Mischer eingebaut. Dabei sind es gerade die Mischer (und noch eine Handvoll weiterer unspektakulärer Module), die die umfangreichsten Möglichkeiten in einem Modularsystem eröffnen.

Grundsätzlich lassen sich alle Mischer sowohl für Audiosignale als auch für Steuerspannungen nutzen. Allerdings gibt es bei den Reglern für die Anteile der Eingangssignale einen wichtigen Unterschied für Audio und Steuerspannung: Die Wirkung von Steuerspannungen möchten wir meistens ganz linear regeln können, wir werden also für diese Zwecke Mischer mit linear arbeitenden Potentiometern bevorzugen. Anders bei Audiosignalen: Hier passen Potentiometer mit einer logarithmischen Kennlinie besser zu der Art und Weise, wie wir Lautstärkeunterschiede wahrnehmen.

Die meisten Mischer sind rein manuell bedienbar und besitzen an ihren Eingängen einfache Abschwächer (Potentiometer). Daneben gibt es aber auch einen (bzw. zwei) Mischer, die wir über Steuerspannungen ansprechen können – damit ist die Mischung automatisierbar. Es gibt sogar ein eigenes Kontrollmodul, um die passenden Steuerspannungen für das Überblenden (Morphen) von vier Audioquellen in einem spannungsgesteuerten Mischer zu ermöglichen – den A-144 Morphing Controller, der idealerweise mit einem A-135-1 Voltage Controlled Mixer kombiniert wird.

Beiträge zu einzelnen Mischern:

Abschwächer, Crossfader und Polarisierer

Auch hier gilt das bereits bei den Mischern gesagte: „Langweilig“, aber unverzichtbar! Abschwächer werden immer dort benötigt, wo beim nächsten Modul in der Signalkette kein Abschwächer beim Eingang vorhanden ist. Im Prinzip sind übrigens die meisten VCAs (also die spannungsgesteuerten Verstärker) eigentlich „spannungsgesteuerte Abschwächer“, denn nur wenige VCAs verstärken über den Faktor 1 hinaus. Aber die VCAs sind hier nicht mit „Abschwächer“ gemeint, sondern die rein manuell zu regelnden (und oft passiv ohne Stromversorgung gebauten) Abschwächer. Analog dazu habe ich die Kategorie um manuell zu regelnde Verstärker (also „echte“ Verstärker) ergänzt. Allerdings gibt es derzeit nur ein einziges Exemplar dieser „Gattung“, den A-183-3 Amplifier, der als Aufholverstärker (z.B. zwischen Modulsystemen verschiedener Hersteller) eingesetzt werden kann und einen Verstärkungsfaktor von bis zu 4 bietet.

Mit Crossfadern kann man zwei (manchmal auch drei) Signale ineinander überblenden – und das deutlich komfortabler, als es mit einem Mischer je möglich wäre. Polarisierer schließlich sind eine Art „Kreuzung“ aus Abschwächern und Invertern: Auf einer Site ihrer Skala arbeiten sie wie herkömmliche Abschwächer, aber jenseits des Nullpunktes wird das Signal wieder stärker – allerdings in invertierter Form (d.h. positive Spannungen werden negativ und umgekehrt).

Eine sehr mächtige und komplexe Form von Abschwächer, Crossfader und Polarisierer ist übrigens das Modul A-138e. Die Möglichkeiten, die sich mit diesem „Schweizer Taschenmesser“ ergeben, verdienen eine etwas ausführlichere Einarbeitungszeit.

Beiträge zu einzelnen manuellen Abschwächern und Verstärkern:

Beiträge zu einzelnen Crossfadern:

Beiträge zu einzelnen Polarizern:

Schalter und Multiples

Schalter sind sozusagen die Extremform von Abschwächern. Kein Kontinuum zwischen „ganz ausgeblendet“ und „voll da“, sondern ganz einfach „ein“ und „aus“. Warum dann nicht einen Abschwächer? Der Schalter ist natürlich deutlich schneller, wenn man ein Signal – ob Audio oder Steuerspannung – mal eben z.B. rhythmusgerecht ein- oder ausschalten möchte. Zudem gibt es komplexe (teils programmierbare) Schalter, die mit mehreren Ein- und Ausgangsbuchsen arbeiten können.

Multiples schließlich dienen dazu, ein Signal an mehrere Ausgänge zu verteilen.

Beiträge zu einzelnen Umschaltern und Multiples:

Spannungsgesteuerte Verstärker (VCAs)

Wie schon erwähnt: Es gibt im A-100-System fast keine „Verstärker“ in dem Sinne, dass nachher mehr Pegel herauskommt, als man hineingesteckt hat.

Schlimm? Nö. VCAs sollen genau so arbeiten: Man steckt Audio oder Steuerspannung hinein, moduliert mit z.B. einer Hüllkurve oder einem LFO und erhält das Signal in der Amplitude „geformt“ zurück. Und zwar im Bereich von 0 bis zur ursprünglichen Amplitude.

Beiträge zu einzelnen VCAs: