A-111-4 Quad Precision VCO

Die Familie der A-111 – Oszillatoren umfasst mittlerweile stattliche 6 Varianten, die alle den Curtis-Chip CEM3340 (oder Nachbau) mit seinem Dreiecks-Kern nutzen und ein sehr genaues Tracking über 10 Oktaven und mehr erlauben.

Der A-111-4 ist – Nomen est Omen – vierfach ausgelegt und verfügt zudem über eine gemeinsame „Master“-Sektion, die alle 4 Oszillatoren gleichzeitig beeinflusst. Damit ist das Modul prädestiniert für den Einsatz in einem polyphon ausgelegten Modularsystem, aber keineswegs darauf beschränkt.

Bedienelemente

Eingänge:

Systembus: Der für polyphone Zwecke geeignete A-111-4 hat Zugang zum A-100-Systembus und dessen monophoner VCO-Steuerspannung, wie sie z.B. von den meisten Midi-CV-Interfaces an den Bus abgegeben wird. Warum? Es spricht nichts dagegen, den A-111-4 auch als sehr potenten Mehrfach-VCO im monophonen Einsatz zu verwenden. Außerdem bietet z.B. ein auf dem gleichen Bus installierter A-185-2 Precision Adder / Bus Access zusätzliche Möglichkeiten, alle 4 Oszillatoren auch im polyphonen Einsatz gleichzeitig zu transponieren.

Die Steuerspannung aus dem Systembus wird in der Master-Sektion des Moduls verwendet und wirkt dort (zusammen mit den Steuerspannungen aus den „1V“- und „XM“-Eingängen, sowie dem Master-Oktavschalter) auf alle Oszillatoren gemeinsam.

CTRL-A111-4-IN

Ausgänge:

CTRL-A111-4-OUT-3

Regler / Schalter:

CTRL-A111-4-SW-1

Überblick

Jeder der vier Oszillatoren hat einen „1V“-Eingang, um ihn tonal zu spielen. Wird die Schaltbuchse nicht benutzt, dann greift die Default-Verkabelung, die man auf der Platine vornehmen kann. Daneben gibt es noch einen „Mod“-Eingang mit Abschwächer, der wahlweise für herkömmliche exponentielle Frequenzmodulation, linearen Frequenzmodulation oder für die Pulsbreitenmodulation der Rechteckschwingung nutzen kann.

Jeder der vier Oszillatoren kann Dreieck, Rechteck (bzw. modulierten Puls) und Sägezahn ausgeben, zudem existiert für jeden VCO ein Sync-Eingang (wahlweise Softsync oder Hardsync). Es gibt pro VCO einen Tune-Regler und einen dreistufigen Oktavschalter.

Für alle vier VCOs gemeinsam gibt es einen gemeinsamen Tune-Regler und einen gemeinsamen dreistufigen Oktavschalter. Dazu gibt es einen gemeinsamen „1V“-Eingang, einen gemeinsamen Modulationseingang für exponentielle FM und (optional) einen gemeinsamen Zugriff auf die 1V/Oktave-Steuerspannung im A-100-Bus.

Für paraphone/monophone Anwendungen gibt es für Dreieck, Rechteck (bzw. modulierten Puls) und Sägezahn Audio-Summenausgänge, sowie einen CV-Summenausgang für die gemeinsamen Steuerspannungen (auf den die individuellen CV-Eingänge pro VCO keinen Einfluss haben).

Schwingungsformen

Hier gibt es keine Überraschungen. Die Schwingungsformen sind – wie bei allen A-111-Modulen auf CEM3340-Basis sehr exakt und ohne signifikante Verzerrungen.

Einstellmöglichkeiten über die Platine

Seit einigen Jahren bietet Doepfer vielfältige „customizing“-Optionen auf den Platinen der Module an. In der Regel sind das eher selten zu ändernde Einstellungen, für die man dann das Modul kurz ausbauen und die Position von Steckbrücken („Jumper“) ändern muss. Beim A-111-4 haben wir es – bedingt durch die Komplexität des Moduls – mit ganzen 14 Jumpern und vier Pins zur Vorbelegung der „1V“-Eingänge zu tun.

Jumper und CV-Eingangs-Pins auf den Platinen des A-111-4.

Verbindung mit den CV-Ausgängen des A-190-5

Über Jumper-Wires (sog. „Arduino-“ oder „Raspberry Pi – Kabel“) kann der A-111-4 direkt mit den Steuerspannungs-Ausgängen „CV Note“ des polyphonen A-190-5 Interfaces verbunden werden.

Die Pins für die CV-Eingänge liegen auf der unteren Platine B. Die Kabel steuern die Tonhöhen für VCOs 4 bis 1 von links (lila Kabel) nach rechts (schwarzes Kabel).

Synchronisation

JP7, JP9, JP11, JP13 – alle in Position „HSYN“.

Die vier Oszillatoren beherrschen sowohl die herkömmliche Soft-Synchronisation, als auch das spezielle „Curtis-Hardsync“. Über die Jumper JP7, JP9, JP11 und JP13 auf Platine A kann man pro Oszillator einstellen, ob dieser mit Softsync (Jumper in der oberen Position) oder mit Hardsync (Jumper in der unteren Position) synchronisiert werden kann.

Die Jumper befinden sich unmittelbar links von den Jumpern JP8-JP14 für das Modulationsziel (vgl. folgender Abschnitt).

Rechts neben den Jumper-Paaren sieht man übrigens die vier CEM3340-ICs, darunter Platine B mit weiteren Jumpern und den Pins für die Verbindung mit dem A-190-5 Interface.

Modulation: Lineare FM oder Pulsbreitenmodulation

JP8, JP10, JP12, JP14 – alle in Position „PMOD“.

In der unteren Position der 4 Schalter „Modulation Destination“ wird die Steuerspannung aus den „Mod.“-Eingängen entweder für lineare Frequenzmodulation oder für Pulsbreitenmodulation verwendet. Mit den Jumpern JP8, JP10, JP12 und JP14 auf Platine A kann man pro Oszillator festlegen, ob PWM (Jumper in der oberen Position) oder lineare FM (Jumper in der unteren Position) das Ziel ist.

Die Jumper befinden sich unmittelbar rechts von den Jumpern JP7-JP13 für die Synchronisation.

Zugriff auf die Steuerspannung im A-100-Bus

Mit der Bus-CV können – zusätzlich zu allen anderen Modulationsquellen – die vier Oszillatoren gemeinsam transponiert werden. Wenn man den A-111-4 nicht polyphon einsetzen will, kann man auch ein herkömmliches Midi-CV-Interface wie das A-190-3 verwenden und die Bus-Verbindung des Interfaces zum Spielen der Oszillatoren nutzen. Bei gesetztem Jumper JP15 erfolgt Bus-Zugriff, ohne Jumper wird die Bus-CV ignoriert.

JP15 für den Zugriff auf die Bus-CV.

Doepfer weist darauf hin, dass diese Option nur dann gesetzt werden sollte, wenn auch tatsächlich eine Spannungsquelle auf dem Bus (z.B. ein A-185-2) anliegt. Ein „unbenutzter“ CV-Bus kann ansonsten als Antenne wirken und unerwünschte Störspannungen an die mit ihm verbundenen VCOs abgeben.

Regelbereich der „Tune“-Regler

JP16-20 – untere Position.

Für jeden der 5 „Tune“-Regler kann mit den Jumpern JP16, JP17, JP18, JP19 (Oszillatoren 1-4 einzeln) und JP20 (Mastersektion) der Regelbereich eingestellt werden:

Jumper-Position:Regelbereich:
obenca. 5 Oktaven
untenca. 1 Oktave
ohne Jumperca. 2 Halbtöne

Softsync und Hardsync

Über die oben beschriebenen Jumper lässt sich für jeden VCO einzeln festlegen, ob dieser sich per „Softsync“ oder „Hardsync“ mit einem Rechtecksignal an den „SNC“-Eingängen synchronisiert.

Das genaue Verhalten von Softsync und Hardsync ist durchaus komplex und hängt auch vom Verhältnis der Frequenzen zwischen Sync-Master und -Slave ab, zum Teil gibt es auch Unterschiede, ob die steigende oder die fallende Flanke des Sync-Signals zu einem Reset des synchronisierten VCOs führt.

Das wird in einem „Special“ nochmal im Detail über alle VCOs im Vergleich beleuchtet werden. Der Hardsync bei den Curtis-basierten A-111-x VCOs reagiert jedenfalls etwas anders als der Hardsync bei den A-110-X VCOs.

Zum Vergleich zwischen Softsync und Hardsync beim A-111-4 gibt es ein kleines Audio-Beispiel weiter unten.

Alternativen

Mit seinen vier VCOs und der Möglichkeit, die Steuerspannungen der VCOs über Jumper-Kabel direkt auf der Platine – und damit ohne Patchkabel – von einem polyphonen A-190-5 Midi-CV-Interface zu beziehen, ist der A-111-4 schon relativ konkurrenzlos.

Der „andere“ Vierfach-VCO: A-143-4

Tatsächlich ist der A-143-4 ursprünglich als reiner vierfach-LFO und nicht als VCO konzipiert worden. Man hat ihm allerdings eine Tempco-Einheit (das ist eine kleine „Heizung“) zur Stabilisierung der Stimmung auch bei wechselnden Umgebungstemperaturen sowie Umschalter zwischen LFO und VCO-Modus spendiert, so dass er notfalls auch als vierfach-VCO eingesetzt werden kann.

Allerdings mit deutlichen Einschränkungen: Im Gegensatz zu den vier deutlich separaierten CEM3340-ICs für die VCOs im A-111-4 sind beim A-143-4 alle VCOs auf engstem Raum untergebracht und können sich bei sehr ähnlichen Frequenzen gegenseitig synchronisieren („oscillator lock“). Die Sync-Optionen haben im VCO-Betrieb ebenfalls Seiteneffekte und die 1V/Oktave-Steuerung ist deutlich weniger präzise. Und last but not least: Der A-143-4 hat keine Sägezahn-Ausgänge und keine Pulsbreitenmodulation.

Als Klangquelle nutze ich den A-143-4 gerne für Drones, da lassen sich die Oszillatoren schön in gegenseitige Abhängigkeit bringen, auch mal einzeln in den LFO-Modus umschalten und sogar der sonst wenig geliebte „oscillator lock“ hat bei Drones seinen Reiz.

Im polyphonen Kontext ist der A-143-4 eine tolle Modulationsquelle für die Pulsbreitenmodulation der A-111-4 Oszillatoren, wenn man die Geschwindigkeit der VCLFOs durch die „CV Note“-Ausgänge vom A-190-5 steuert: Höhere Töne klingen (für mich) besser mit schnellerer, tiefe Töne mit langsamer PWM.

Ist der A-111-4 ein Ersatz für mehrere A-111-2 VCOs?

Der „normale“ A-111-2 ist mit seinen 14TE schon ein ziemliches Trumm. Wenn man mit nur 4TE mehr beim A-111-4 gleich „vier davon“ bekommt, die im Vergleich weniger als die Hälfte von vier einzelnen A-111-2 kosten, kommt man schon ins Grübeln. Wo wurde also beim A-111-4 gespart?

  • Oktavumschalter: Der A-111-2 kann mit einem kleinen Dreh-Schalter über 6 Otaven transponiert werden, die Oszillatoren im A-111-4 mit einem Kippschalter einzeln nur über 3 Oktaven. Erst zusammen mit dem gemeinsamen Oktavwahlschalter in der „Master“-Sektion des A-111-4 sind 5 Oktaven möglich, wenn auch nicht unabhängig für alle 4 Oszillatoren.
  • Modulation: Der A-111-2 erlaubt gleichzeitig lineare und exponentielle Frequenzmodulation sowie Pulsbreitenmodulation, mit je einem Modulations-Eingang und Abschwächer. Beim A-111-4 haben wir nur einen einzigen Modulations-Eingang und CV-Abschwächer pro Oszillator. Damit kann nur alternativ exponentielle FM, lineare FM oder PWM genutzt werden. Zudem ist leider der Umschalter für die Art der Modulation nur zweistufig ausgelegt, so dass man per Jumper auf der Platine wählen muss, ob man mit der unteren Schalterposition lineare FM oder Pulsbreitenmodulation nutzen möchte.
  • Sync: Der A-111-2 hat dedizierte Eingänge für Softsync und die CEM3340-spezifische Hardsync. Beim A-111-4 stehen ebenfalls beide Synchronisationsarten zur Verfügung, man muss aber wieder per Jumper auf der Platine wählen, welche Option man nutzen möchte.
  • Schwingungsformen: Der A-111-2 hat einen sehr präzisen Sinus-Konverter und kann somit zusätzlich zu Sägezahn, Rechteck/Puls und Dreieck auch Sinus ausgeben, der A-111-4 ist beschränkt auf Sägezahn, Rechteck und Dreieck. Puls ist nur in Verbindung mit der eingeschalteten Pulsbreitenmodulation möglich (exponentielle oder lineare FM sind dann deaktiviert).

Etwas kompensiert werden diese Einschränklungen durch die Master-Sektion des A-111-4, über die man alle vier Oszillatoren zusätzlich +/- 1 Oktave transponieren und gemeinsam exponentiell modulieren kann. Außerdem lassen sich die oben genannten Jumper-Einstellungen für jeden der vier Oszillatoren separat festlegen.

Doch lieber vier A-111-3?

Wenn es ausschließlich um den Platzbedarf geht, sind evtl. vier A-111-3 mit jeweils 4TE eine attraktive Option: Der A-111-3 hat separate CV-Eingänge für exponentielle und lineare Frequenzmodulation, sowie für Pulsbreitenmodulation. Für die exponentielle FM gibt es einen Abschwächer beim A-111-3, für lineare FM und PWM nicht.

Die anderen Einschränkungen gegenüber dem großen A-111-2 gelten allerdings auch für den A-111-3:

  • Kein Oktavumschalter beim A-111-3, hier „punktet“ der A-111-4 mit 3 Oktaven (bzw. 5 Oktaven, wenn man den Schalter in der Master-Sektion mit dazu nimmt).
  • Die Sync-Variante ist ebenfalls nur über Jumper umschaltbar.
  • Auch der A-111-3 hat keinen Sinus-Ausgang an Bord. Hier muss man gegebenenfallls einen A-184-2 Sinuskonverter nutzen.
  • Im Rahmen eines polyphonen Setups hat der A-111-4 den großen Vorteil, dass die CV-Eingänge für die Tonhöhe der Oszillatoren über Pins und Jumper-Kabel auf der Platine vorbelegt werden können. Das bieten weder A-111-2 noch A-111-3.

Klangbeispiele

Mono-Synth mit Hardsync

Obwohl der Oszillator für Polyphonie prädestiniert ist, kann man ihn sehr schön auch monophon (oder „unisono“) einsetzen. Das A-190-5 ist daher auf „unisono“ eingestellt, gibt also alle eingehenden Midi-Noten gleichzeitig auf allen 4 Stimmen aus.

Beim A-111-4 nutze ich nur die Dreieck-Schwingungen aus dem ersten und dritten Oszillator als Klangquelle, die VCOs 2 und 4 sind nicht hörbar, sondern steuern mit ihren Rechteckschwingungen die Sync-Eingänge von VCO 1 und 3, beide sind auf Hardsync gestellt.

Zusätzlich werden VCO 1 und 3 durch die Hüllkurven vom A-141-4 exponentiell in der Frequenz moduliert und sind auf unterschiedliche Tonhöhen bzw. Oktaven eingestellt. Der Audioweg geht von den VCOs in den A-105-4 und dann in den A-132-8, beide werden ebenfalls von den A-141-4 – Hüllkurven gesteuert. Die beiden Ausgangssignale sind schließlich noch im Stereobild verteilt.

Hardsync.

Polyphon mit Pulsbreitenmodulation

Vom A-111-4 werden die Rechteck-Ausgänge verwendet, in der Pulsbreite moduliert durch die vier VCLFOs im A-143-4. Durch die Schwebungen der Pulsbreitenmodulation kann man auch mit einem einzelnen A-111-4 schon sehr voll und rund klingende Sequenzen erstellen. Die Frequenzen der LFOs werden ebenfalls von den „CV Note“-Ausgängen des A-190-5 Interface moduliert, so dass die Modulation bei tieferen Tönen langsamer ist als bei höheren. Das Interface ist im „Poly“-Modus.

Die Audiosignale gehen durch das polyphone A-105-4 Filter und den polyphonen A-132-8 VCA. Filter und VCAs werden vom A-141-4 ADSR gesteuert.

Ein A-143-9 Quadrature LFO moduliert mit seinen phasenverschobenen Sinusschwingungen Filter-FM und Resonanz vom A-105-4 und Attack und Decay-Zeiten vom A-141-4. Etwas Hall und Delay aus der DAW.

Pulsbreitenmodulation.

Verstimmen von Oszillatoren

Gerade bei monophonen Synthesizerstimmen ist es oft lohnend, die einzelnen VCOs ganz leicht gegeneinander zu verstimmen. Wenn man es dezent macht, klingt das nicht „verstimmt“, sondern sehr breit und „schwebend“. Jetzt kann man natürlich anfangen, an den vier „Tune“-Reglern herumzuspielen, aber wenn man dann schnell wieder auf die ursprüngliche Stimmung zurück möchte, dann braucht man trotzdem ein gutes Gehör und feinfühlige Finger.

Stattdessen verwende ich einen sehr langsam eingestellten A-143-9 VC Quadrature LFO als Modulationsquelle und vier VCAs in einem A-130-8 Octal VCA für die Steuerung dieser Modulation. Dazu eine manuelle Spannungsquelle – verteilt auf die vier CV-Eingänge des A-130-8 – um diese Modulation zu steuern. Die vier Ausgänge aus dem A-130-8 gehen in die vier „Mod“-Eingänge des A-111-4, die alle auf „XM“ eingestellt sind. Die vier „Mod. Level“ – Abschwächer im A-111-4 sind alle auf kleine Werte (z.B. 1) eingestellt.

Der Audio-Weg bei diesem Klangbeispiel sieht so aus: Die vier Sägezahn-Ausgänge vom A-111-4 (einer +1 Oktave, einer -1 Oktave transponiert) gehen in das A-105-4 Filer und dann in den A-132-8 VCA. Filter und VCA werden durch einen A-141-4 ADSR gesteuert.

CV und Trigger: Die ganze Sequenz wird vom A-190-5 im „unisono“-Modus übertragen, Midi-Quelle ist ein Arturia KeyStep37. Während der Sequenz drehe ich meinen „Detune-Regler“ langsam von 0 über sehr subtile Verstimmung bis hin zu ziemlich deutlichen „out of tune“-Werten und wieder zurück.

Detune.

Lineare FM

Die beiden A-111-4 Oszillatoren 1 und 2 arbeiten als „Carrier“, werden also moduliert und anschließend gefiltert. Die anderen beiden VCOs, Nr. 3 und 4, sind die Modulationsquellen und werden somit nicht in den Audioweg gepatcht. Damit die Frequenzmodulation dynamisch ist, verwende ich den A-132-8 auf den ersten beiden Kanälen als normalen Audio-VCA für die beiden gefilterten VCOs 1 und 2, auf den Kanälen 3 und 4 aber als Modulations-Verstärker für die beiden anderen VCOs.

Für diesen Einsatz machen unterschiedliche Hüllkurven für Audio und FM Sinn, es kommen also zwei A-140-2 zum Einsatz

Lineare Frequenzmodulation (und Softsync).

Softsync vs. Hardsync

Zwei der vier Oszillatoren aus dem A-111-4 werden als Klangquelle verwendet. Keine Filter, VCAs, Echo oder Reverb.

VCO1 ist mit seinem Dreiecks-Ausgang im Stereobild ganz links und wird über Hardsync synchronisiert, VCO2 analog dazu mit seinem Dreieck ganz rechts. Diese beiden VCOs werden mit den um 90 Grad phasenverschobenen Sinus- und Cosinus-Ausgängen aus einem A-110-6 sehr langsam in der Tonhöhe moduliert („1V“-Eingänge).

Als Sync-Master werden die Rechteck-(Puls-)Ausgänge der beiden verbleibenden VCOs eingesetzt, die man ansonsten im Klangbeispiel nicht direkt hört. Die Frequenz der beiden VCOs ist jeweils fest.

Wir hören also links Hardsync und rechts Softsync, die Modulation der Slave-VCOs setzt durch die Phasenverschiebung zuerst links und dann rechts ein.

Was fällt auf? Die Modulation über Hardsync (links) erzeugt so etwas wie Nebentöne / Harmonische, die sich während der Modulation des Slave-VCOs verändern. Bei Softsync (rechts) entstehen diese Nebentöne nicht, dafür ist das Ergebnis etwas „kratziger“, es entstehen also ganz andere Artefakte als beim Hardsync.

Links Hardsync, rechts Softsync.

Polyphon mit vier A-108

Die Sägezahn-Ausgänge des A-111-4 werden diesmal durch vier A-108 Ladder Filter bearbeitet, die 12dB-Ausgänge der Filter gehen in den A-132-8 VCA. Die A-108 mag ich persönlich sehr gerne, sie haben einen unnachahmlich „schmatzenden“ Sound, der gerade im 12dB-Modus sehr gut zu polyphonen Sequenzen passt, wie ich finde (das ist natürlich mal wieder eine sehr persönliche Sicht der Dinge…).

Modulationen: Der A-141-4 ADSR steuert VCAs und Filter, Anschlagstärke aus dem A-190-5 die VCAs, Tonhöhen-CV aus dem A-190-5 die Filter. Zusätzlich moduliert ein A-110-6 die Filterfrequenz, sowie Decay und Release im A-141-4 ADSR.

Vier A-108 als Filter im polyphonen Setup

Technische Daten

Breite18 TE
Tiefe40 mm
Strombedarf120 mA (+12V) / -100 mA (-12V)

A-132-8 Octal Poly VCA

Der A-132-8 ist ein für den polyphonen Betrieb mit 4 Stimmen ausgelegtes Modul mit insgesamt 8 VCAs. Warum so viele VCAs, mag man sich da fragen, würden nicht 4 genügen? Für jede der vier Synthesizer-Stimmen sind beim A-132-8 zwei hintereinander geschaltete VCAs zuständig: Der erste VCA arbeitet stets linear, der VCA danach wahlweise linear oder exponentiell (über Jumper einstellbar).

Den ersten VCA wird man oft für eine gemeinsame Volumen-Regelung oder für Anschlagdynamik nutzen, wie sie z.B. das polyphone A-190-5 Midi-CV-Interface für jede Stimme als separate Steuerspannung liefern kann.

Der zweite VCA wird in den meisten Fällen von einem (polyphonen) Hüllkurvengenerator wie dem A-141-4 gesteuert werden. Hier ist dann für viele Klänge eine exponentielle VCA-Kennlinie interessanter, die Töne „schnappen“ mehr zu und wirken etwas perkussiver. Da das aber Geschmackssache ist, kann man den zweiten VCA auch linear arbeiten lassen (Werkseinstellung).

Wer für die vier Einzelausgänge keinen weiteren Mixer (oder vier separate Eingänge in der DAW) nutzen will, kann auch gleich ein Summensignal mit allen vier Stimmen abgreifen.

Das Modul ist im „Slim Line“-Format ausgelegt und hat etwas schmalere Regler und Muttern für die an der Frontplatte verschraubten Buchsen und benötigt nur 8 TE.

Bedienelemente

Eingänge:

CTRL-A132-8-IN

Ausgänge:

CTRL-A132-8-OUT

Regler / Schalter:

CTRL-A132-8-SW

Konfigurationsmöglichkeiten auf der Platine

Wie bei praktisch allen neueren Doepfer-Modulen gibt es zahlreiche Konfigurationsmöglichkeiten über Jumper auf den Platinen des Moduls.

Kennlinie der zweiten VCA-Gruppe

Während die vier VCAs der ersten Verstärkerstufe immer linear arbeiten, kann man die vier nachgeschalteten VCAs einzeln als lineare oder exponentielle VCAs konfigurieren.

Platine A des A-132-8, hier für exponentiellen Betrieb der VCAs X1 – X4 konfiguriert.
VCA:Linear:Exponentiell:
X1JP5: unten*
JP6: offen
JP5: oben
JP6: gesetzt
X2JP9: unten
JP10: offen
JP9: oben
JP10: gesetzt
X3JP7: unten
JP8: offen
JP7: oben
JP8: gesetzt
X4JP3: unten
JP4: offen
JP3: oben
JP4: gesetzt
Konfiguration der nachgeschalteten VCAs linear oder exponentiell – auch einzeln.
* „unten“ und „oben“ gemäß der Platinenbeschriftung (in der Abbildung oben um 90 Grad im Uhrzeigersinn gedreht).

Default Audio-Eingänge

Um Patchkabel auf der Frontplatte zu sparen, kann man ab der aktuellen Version 2 des Moduls die vier Audio-Eingänge über „Jumper Wires“ (Arduino- bzw. Raspberry-Pi Kabel mit female-female Steckern) mit dem polyphonen A-105-4 VCF verbinden. Dazu dienen die Pins von Jumper JP13 auf der Unterseite der Platine B, also zwischen Platine A und B.

Die vier Jumper-Kabel für die Audioeingänge. Eingang 1 (blaues Kabel) ist ganz rechts im Bild, Eingang 4 (orangefarbenes Kabel) ganz links.

Der Platz dort ist durchaus beengt, und damit man hier überhaupt Kabel anstecken kann, wurden die Pins kurzerhand angewinkelt angebracht. Das ist eine clevere, praxisnahe Lösung!

Hinweis: Bei der ersten Version des Moduls waren die Audio-Eingänge noch an der Oberseite der Platine B angebracht und nur durch Demontage der Frontplatte (= 2 Drehregler und 17 Muttern für die Buchsen…) erreichbar.

Default Modulationseingänge

Auch für die vier Modulationseingänge der linearen VCAs und ebenso für die vier Modulationseingänge der linearen/exponentiellen VCAs gibt es Pins auf der Oberseite Platine B, also zwischen der Platine und der Frontplatte des Module.

Unter den schwarzen Jumpern befinden sich die CV-Eingänge für die VCAs L1 (ganz rechts) bis L4 (Jumper ganz links im Bild). Zur Verbindung werden die Jumper abgezogen und Jumper-Kabel auf die (vom Rand der Platine gesehen) vordere Reihe Pins aufgesteckt. Die hintere Reihe enthält de Steuerspannung vom Regler „GL“.
Unter den roten Jumpern befinden sich die CV-Eingänge für die VCAs X1 (Jumper ganz rechts im Bild) bis X4 (ganz links). Zur Verbindung werden die Jumper abgezogen und Jumper-Kabel auf die (vom Rand der Platine gesehen) hintere Reihe Pins aufgesteckt. Die hintere Reihe enthält die Steuerspannung vom Regler „GX“.

Hinweis: Die Eingänge für die linear arbeitenden VCAs gibt es schon seit der ersten Version des Moduls, die Eingänge für die liniear/exponentiellen VCAs X1-X4 wurden erst bei der zweiten Version ergänzt.

Die Pins haben allerdings zwei Besonderheiten:

  1. Um hier dranzukommen, muss man die Frontplatte des Moduls abmontieren, zum Abschrauben der immerhin 16 verschraubten Buchsen im unteren Teil des Moduls ist Spezialwerkzeug ratsam. Ich war natürlich ungeduldig und habe mir beim ungeschickten Herumbasteln gleich einen fetten Kratzer in die Frontplatte „eingraviert“… Und auch wenn man diese Hürde genommen hat, ist der Abstand zwischen der Seite mit den Pins und der Frontplatte relativ eng bemessen, so dass wohl nicht jeder Mini-Stecker von der Länge her passen wird.
  2. Die Pins sind über herkömmliche Jumper mit der Spannung der Regler „GL“, bzw. „GX“ verbunden. Genau so, wie ein gestecktes Patchkabel über die Schaltbuchsen der Frontplatte den Regler für den jeweiligen VCA deaktiviert, kann auch ein Jumper-Kabel nur dann angebracht werden, wenn der dafür entfernte Jumper die Verbindung zum „GL“- bzw. „GX“-Regler unterbricht.

Falls hier nochmal eine Revision des Designs ansteht, wäre zu überlegen, ob die beiden Regler „GL“ und „GX“ nicht additiv mit den externen Steuerspannungen arbeiten sollten, so wie das beispielsweise beim A-132-3 realisiert wurde.

Für die Vorbelegung der vier nachgelagerten linearen/exponentiellen VCAs bietet die der polyphone A-141-4 Hüllkurvengenerator an, für die vier linearen VCAs wären das wahrscheinlich die „CV2“-Ausgänge des A-190-5 Interfaces , die die Anschlagsdynamik pro Note in Steuerspannungen umsetzen. Hier fehlt allerdings die entsprechende Konnektivität über die Platine des Midi-Interfaces. Macht aber nichts, die Verbindung lässt sich sehr gut auch über konventionelle Patchkabel herstellen.

Alternativen

Neben dem A-132-8 findet man bei Doepfer zahlreiche weitere VCAs, die für den polyphonen Einsatz in Betracht gezogen werden können. Die Default-Audioeingänge vom A-105-4 entfallen dann natürlich und man hat mehr „Kabelsalat“ auf den Frontplatten. Ansonsten sind gerade VCAs im polyphonen Kontext eher unproblematisch, weil es nur wenige Bedienelemente gibt, die man gleichzeitig ändern muss.

A-132-4 Quad Exponential VCA

Wer die vorgeschalteten linearen VCAs nicht benötigt, könnte stattdessen mit dem A-132-4 einen sehr guten vierfach-VCA mit exponentieller Kennlinie einsetzen. Mit nur 6TE ist er sogar etwas schmaler gebaut und hat ebenfalls einen Sumenausgang, der einen abschließenden Mixer spart. Falls man den nicht benötigt, lässt sich die Buchse für den Summenausgang als zweiter Steuerspannungseingang umkonfigurieren, so dass man für alle vier VCAs je zwei Modulationseingänge zur Verfügung hat.

Werkseitig ist der A-132-4 für Steuerspannungen von 0V bis +5V konfiguriert. Der polyphone A-141-4 ADSR-Generator liefert allerdings bis zu +10V Ausgangsspannung, was die VCAs deutlich zum Verzerren bringt. Hier muss man die Empfindlichkeit über vier Trimmpotentiometer auf der Platine anpassen oder einen vierfach-Abschwächer wie den A-183-5 zwischen ADSR und VCA patchen.

A-130-8 Octal linear VCA

Wenn es lineare VCAs sein dürfen, kann an Stelle des A-132-8 auch der achtfache A-130-8 eingesetzt werden. Wie der A-132-4 ist auch er auf Steuerspannungen von 0V bis +5V vorkonfiguriert und kann über Trimmpotis an die höhere Spannung aus dem A-141-4 angepasst werden. Auch der A-130-8 benötigt nur 6TE Platz im Rack.

Zusätzlich zu den Einzelausgängen der VCAs gibt es Summenausgänge für alle acht VCAs, für die VCAs 1-4 und für die VCAs 5-8. Größter Vorteil sind die insgesamt acht VCAs, man kann also wie beim A-132-8 zweistufig verstärken oder aber die VCAs 5-8 für andere Zwecke, wie etwa Steuerspannungen nutzen, die dann z.B. von einem A-141-4 gesteuert werden. Ich nutze zwei A-130-8 als polyphonen vierfach-Mischer für Steuerspannungen (und den A-132-8 als polyphonen Audio-VCA).

A-135-2 Quad VCA/VC Mixer

Der A-135-2 ist wie der A-132-8 im „Slim Line“-Format mit schmaleren Reglern und Buchsen gebaut, die Regler befinden sich ebenfalls alle oben und die Buchsen unten, was für Übersicht auf doch recht engem Raum sorgt. Die VCAs arbeiten alle linear, die maximale Steuerspannung beträgt zwar nur 5V, dafür gibt es aber auf der Frontplatte vier Abschwächer für die CV-Eingänge.

Neben den Einzelausgängen hat der A-135-2 als Mixer natürlich einen Summenausgang, bzw. sogar zwei: Ein „normaler“ Summenausgang und einer, der nur die Eingangssignale enthält, deren Einzelausgang nicht gepatcht ist.

Größter Vorteil sind die vier Regler für die manuelle Einstellung der Pegel unabhängig von anliegenden Steuerspannungen. So etwas ist z.B. für Drones praktisch.

A-130-2 Dual linear/exponential VCA

Der A-130-2 (ein 4TE breiter „Slim Line“ – Ableger des von mir sehr geschätzten A-132-3) ist wahrscheinlich vom Funktionsumfang am nächsten dran am A-132-8. Mit zwei A-130-2 hat man vier VCAs, die sich einzeln zwischen linear und exponentiell umschalten lassen.

Wer es ganz „luxuriös“ will, setzt 4 Stück davon ein und erhält wie beim A-132-8 acht VCAs, die sich auf der Frontplatte zwischen linear und exponentiell umschalten lassen. Der Preis dafür ist (neben deutlich höheren Kosten in Summe) ein Platzbedarf von 16TE und ein Mehrfaches an Kabeln.

Auch der A-130-2 ist auf Steuerspannungen von maximal +5V ausgelegt, hat aber Abschwächer für die Steuerspannungs-Eingänge. Zudem reagiert er bei zu großen Steuerspannungen nicht mit Clipping des Audio-Signals, sondern verstärkt einfach nicht weiter, was bei ADSR-Hüllkurven mit voll geöffneten Abschwächern zu einer „Hold-Phase“ mit konstantem Pegel zwischen Attack- und Decay-Phase führt.

Wie der A-135-2 besitzt der A-130-2 „Gain“-Regler für eine manuelle Steuerung der Pegel unabhängig von der Steuerspannung.

Klangbeispiele

Linear vs. exponentiell

Bei allem Theoretisieren über exponentielle vs. lineare Verstärker stellt sich natürlich die Frage, ob man den Unterschied überhaupt hört. Die beiden Klangbeispiele sollen diese Unterschiede zwischen linearer und exponentieller Kennlinie in der zweiten VCA-Gruppe zeigen. Eine Bass-Sequenz steuert einen A-111-4 VCO (Sägezahn-Ausgänge), gefiltert mit einem A-105-4 und verstärkt durch den A-132-8. Die Filter und VCAs werden beide vom A-141-4 ADSR gesteuert, die erste (lineare) VCA-Gruppe des A-132-8 ist ohne Modulation.

Decy- und Attack-Zeiten werden manuell verändert, Sustain, Release und alle anderen Parameter sind bei beiden Beispielen gleich. Etwas Hall und Delay aus der DAW.

A-132-8: Die zweite (vom ADSR-Generator modulierte) VCA-Gruppe ist linear.
A-132-8: Die zweite (vom ADSR-Generator modulierte) VCA-Gruppe ist exponentiell.

Anschlagdynamik

Ich verwende wieder den A-111-4, diesmal mit seinen Rechteck-Ausgängen als Klangquelle, die Pulsbreite ist von einem A-143-4 Quad VCLFO moduliert – die LFO-Geschwindigkeit wird von der Tonhöhen-CV aus dem A-190-5 – gesteuert. Das A-105-4 Filter wird von der Anschlagstärke und der Tonhöhe, nicht aber vom ADSR moduliert. Der A-132-8 schließlich wird in seiner ersten (linearen) Stufe durch die Anschlagstärke, in seiner zweiten (exponentiellen) Stufe durch einen A-141-4 moduliert.

Während der Sequenz schraube ich am VCF und ADSR, Hall und Echo kommen aus der DAW.

A-132-8: Modulation der ersten (linearen) Verstärkerstufe durch die Anschlagstärke, der zweiten (exponentiellen) Verstärkerstufe durch den A-141-4.

Technische Daten

Breite8 TE
Tiefe45 mm
Strombedarf40 mA (+12V) / -40 mA (-12V)

A-105-4 Quad Poly SSI VCF

Der A-105-4 ist ein polyphones Filtermodul, das auf dem integrierten Schaltkreis SSM2024 (bzw. dessen Nachbau SSI2144) basiert. Im Prinzip haben wir vier A-105 – Filter mit gemeinsamer Steuerung vor uns: Eckfrequenz, Resonanz (hier „Q“ genannt) und Eingangslevel können für alle vier Filter in gleicher Weise eingestellt werden oder auch gemeinsam über Steuerspannungen geregelt werden.

Zusätzlich hat jedes der 4 Filter noch einen individuellen Modulationseingang für die Eckfrequenz. Die Modulationsintensität dieser 4 Spannungsquellen lässt sich gemeinsam über den Regler „FM“ einstellen oder – und das konnte der originale A-105 auch nicht ohne zusätzlichen VCA – über eine weitere Steuerspannung im Eingang „CVFM“ beeinflussen.

Um das zu realisieren, hat Doepfer offensichtlich eine ganze Menge VCAs in dem Modul verbaut. Polyphonie im Modularsystem ist ein anspruchsvolles Thema: Was sonst ein einfacher Potentiometer erledigt, muss bei Polyphonie über mehrere parallele Verstärker laufen, die auch über vergleichbare Bereiche arbeiten (Abgleichaufwand!), damit alle „Stimmen“ in gleicher Weise steuerbar sind. Das ist schon ein kleines „Wunderwerk“ auf nur 8 TE.

Beim Blick hinter die Frontplatte sehen wir dann auch eine Platine für die eng bestückten Buchsen und Potentiometer, dahinter die eigentliche Hauptplatine und darauf nochmal die vier eigentlichen Filter-Platinen per „Huckepack“.

Anwendungsmöglichkeiten

Kann man mit einem polyphon ausgelegten A-100 einen der modernen polyphonen Synthesizer ersetzen? Oder gar übertreffen?

Das kommt darauf an, was man will.

Einerseits haben wir eine Beschränkung auf nur 4 Stimmen – mehr Stimmen sind zwar grundsätzlich möglich, werden dann aber deutlich umständlicher in der Bedienung. Die gemeinsame Steuerung bei allen polyphonen Doepfer-Modulen umfasst halt nur immer 4 Stimmen, bei 8 Stimmen müsste man fast alles manuell zwischen zwei solchen „Viererblöcken“ angleichen.

Andererseits reichen 4 Stimmen für sehr viele (wirklich SEHR viele) Zwecke und es gibt Eingriffsmöglichkeiten in jede Stimme, die kein anderer Synthesizer bietet, z.B. eine grundsätzlich unabhängige Handhabung von Tonhöhe und Trigger für jede Stimme: Das eine kann von einem Keyboard (z.B. mit dem polyphonen Midi-Interface A-190-5) stammen, das andere von einem Sequencer wie dem A-157 Trigger-Sequencer, der mit seinen 8 Spuren auch noch die Hüllkurven der VCAs und Filter unabhängig voneinander triggern kann.

Bei den Modulationsmöglichkeiten gibt es natürlich harte Konkurrenz von Poly-Synthesizern mit ausgefeilter Modulationsmatrix, aber beim A-100 ist man halt prinzipbedingt doch noch etwas flexibler, wenn man das will und wenn man bereit ist, etwas mehr Aufwand hineinzustecken.

Und ja, das „Manko“ beinahe aller Modularsynthesizer begegnet uns auch in der Polyphonie: Wir können keine Sounds „speichern“. Wir lernen dafür, wo wir hingreifen müssen, um etwas zu verändern, wir haben wirklich und wahrhaftig einen Regler für jede Funktion und ein individuelles Instrument statt einer „Presetschleuder“ mit OLED-Display und Knöpfen für 4 beliebige Funktionen.

Das erfordert etwas Planung im Vorfeld. Sehen wir uns also wie üblich erst einmal an, was das A-105-4 – Filter kann.

Bedienelemente

Eingänge:

CTRL-A105-4-IN

Ausgänge:

CTRL-A105-4-OUT

Regler / Schalter:

CTRL-A105-4-SW

Damit haben wir 3 „globale“ Steuerungsmöglichkeiten – manuell oder über Steuerspannungen: Den Regler „F“ bzw. den Eingang „CVF“ für die Eckfrequenz, „Q“ und „CVQ“ für die Resonanz sowie „Lev.“ und „CVL“ für den Eingangslevel der 4 im A-105-4 verbauten Filter. Ziel eines polyphonen Filters ist ja, dass sich alle 4 Filter gleich verhalten bzw. näherungsweise gleich klingen.

Zusätzlich gibt es 4 individuelle Steuerspannungseingänge für die Eckfrequenzen, die man in der Praxis meist mit 4 ADSR-Generatoren speisen wird, sofern man nicht kompexere Dinge über einen Matrixmischer (z.B. A-138m) realisieren möchte. Zusätzlich gibt es nun einen vierten globalen Regler „FM“ und den Steuerspannungseingang „CVFM“, die gemeinsam für alle 4 Filter die Modulationsintensität der 4 individuellen „FM“-Eingänge regeln.

Ein minimales Poly-Setup mit dem A-105-4

Wenn wir als Klangquelle einen A-111-4 VCO verwenden, dann werden die Ausgänge der VCOs (z.B. die vier Sägezahn-Ausgänge) mit den vier „In“-Buchsen des Filters verbunden. Analog dazu schließen wir die vier „Out“-Buchsen des Filters an die vier „In“-Buchsen eines A-132-8 Octal Poly VCAs an. Soweit also nicht anders als bei einem monophonen Filter-Modul, nur eben für jede der vier Stimmen separat.

Ebenso können wir die Ausgänge eines A-141-4 Poly VCADSRs mit den vier „FM“-Eingängen des Filters verbinden. Ein zweiter A-111-4 könnte den VCA steuern oder wir splitten die Ausgänge eines einzelnen A-111-4 über Multiples auf und verwenden die Hüllkurven gleichzeitig für Filter und Verstärker, was ich persönlich ganz gerne nutze.

Den Rest kann man manuell einstellen oder aber die jetzt noch freie oberste Reihe der Buchsen für Steuerspannungen einsetzen, die auf alle vier Filter gleichzeitig wirken: Filtereckfrequenz („CVF“), Intensität der individuellen Modulation durch die ADSRs („CVFM“), Resonanz („CVQ“) und Eingangslevel („CVL“). Dafür bieten sich die „CV3“-Ausgänge vom A-190-5 an, die man z.B. mit Noten-unabhängigen Parametern wie Aftertouch, Modulationsrad usw. belegen kann.

Einfacher Poly-Synthesizer

Etwas „modularer“ gedacht

Niemand zwingt uns, ein polyphones Modularsystem genau so wie einen 08/15-Polysynth zu nutzen. Im Gegenteil, damit verschenkt man natürlich einige interessante Möglichkeiten.

Man kann z.B. die vier individuellen CV-Eingänge des Filters an Stelle eines Poly-ADSRs mit vier unterschiedlich schnellen LFOs belegen, während der VCA weiterhin „traditionell“ mit einem A-141-4 gesteuert wird. Das ist eigentlich eine total banale Variante, die aber nur mit wenigen nichtmodularen Synthesizern realisierbar ist.

Die Filter werden nicht von ADSRs, sondern von 4 LFOs gesteuert

Filter-FM in Audiogeschwindigkeit wäre ein weiteres sehr einfaches, aber doch effektives Beispiel: Die Filtereckfrequenz wird durch den (jeweils zu filternden) Oszillator moduliert. Das Klangspektrum liegt irgendwo zwischen metallisch und verzerrt und ist beim A-105-4 recht feinfühlig dosierbar.

Dabei wird das Filter idealerweise zusätzlich durch die Steuerspannungen für die VCO-Frequenzen mit gesteuert. Durch das Filter-Tracking von – sehr nahe an – 1V/Oktave übernehmen die Filter in Selbstoszillation schon mal einen zweiten VCO pro Stimme. (Details zum Filter-Tracking siehe etwas weiter unten.)

Die Audioausgänge der VCOs modulieren die Eckfrequenz der Filter

Steuerungsmöglichkeiten auf der Platine

Wie mittlerweile üblich, bietet Doepfer auch für den A-105-4 einige interessante Eingriffsmöglichkeiten über Jumper auf der Platine des Moduls. Hier liegt das Hauptaugenmerk auf der Vorverkabelung eines polyphonen Systems, ohne dafür Patchkabel auf den Frontplatten der beteiligten VCOs oder VCAs einsetzen zu müssen.

  • CV-Eingänge für die Frequenzmodulation des Filters (doppelt vorhanden)
  • Vier individuelle Audio-Eingänge
  • Vier individuelle Audio-Ausgänge

Die Verbindungen zum A-190-5, zum A-132-8 Poly VCA (Einzelausgänge des A-105-4) und z.B. zum A-141-4 ADSR (Modulationseingänge des Filters) werden mit female-female Arduino-Kabeln hergestellt.

Filter-Tracking

JP4: oben CV-Eingänge, unten Audio-Ausgänge

Die Modulationseingänge auf der Platine bieten sich geradezu dafür an, ein Filter-Tracking zu realisieren: Man verbindet dazu einfach die vier CV-Ausgänge des A-190-5 Midi-Interfaces mit den FM-Eingängen des Filters (obere Reihe der Steckerleiste JP4). Praktischerweise arbeiten die Modulationseingänge additiv zu den Miniklinkenbuchsen auf dem Frontpanel, so dass man keine Modulationsmöglichkeiten „verschenkt“.

Micro-Multiples

Nun hat man damit aber leider die CV-Ausgänge des A-190-5 „verbaut“, die damit nicht mehr für die Steuerung der VCOs zur Verfügung stehen. Hier gibt es von Doepfer eine kleine Mini-Platine mit 12 Pins, die als „Micro-Multiples“ eingesetzt werden kann: Vier (female) Arduino-Kabel können mit der winzigen Platine auf 2 x 4 weitere Arduino-Kabel aufgesplittet werden. Der A-190-5 besitzt gepufferte CV-Ausgänge, so dass die Verteilung der Steuerspannungen keine Probleme bereitet.

Nochmal Filter-FM

Ab Version 2 des Filters gibt es auf JP6 vier weitere Pins für die Filter-FM. Die sind allerdings nicht additiv wie auf JP4, sondern erlauben eine Default-Belegung der vier „FM“ Schaltbuchsen. Hier bietet sich eine Verbindung zum A-141-4 ADSR an, die man bei Bedarf durch Patchkabel auf dem Frontpanel ersetzen kann.

Die Anschlüsse für die Default-Belegung der „FM“-Buchsen sind etwas versteckt angebracht. Die Kabel sollten übrigens hinter dem Abstandshalter zwischen den Platinen verlaufen, sonst nehmen sie evtl. dem benachbarten Modul Platz weg (habe ich erst nach dem Foto bemerkt…)

Die Steuerspannungseingänge waren bereits in der ersten Version des A-105-4 auf der Platine zugänglich – hier musste man dann allerdings noch zum Lötkolben greifen.

Default-Ein- und Ausgänge

Auf der unteren Reihe von JP4 können die Einzelausgänge des Filters z.B. mit dem A-132-8 VCA verbunden werden (erst ab Version 2 des Filters verfügbar).

Zusätzlich stehen mit JP7 die vier Audio-Eingänge des Filters zur Verfügung. Wenn man nur einen einzelnen A-111-4 verwendet, kann man darüber bequem die „In“-Schaltbuchsen des A-105-4 mit Arduino-Kabeln vorbelegen. In der ersten Version des Moduls waren dafür lediglich Lötpunkte vorhanden.

Für die weiteren vier Steuerspannungseingänge CVL, CVQ, CVFM and CVF gibt es bei Bedarf Lötpunkte zur Vorbelegung der Schaltbuchsen auf dem Frontpanel.

Beispiel: Einfache Verkabelung eines polyphonen Synthesizers

Für ein einfaches Poly-System habe ich die CV-Ausgänge über Micro-Multiples vom A-190-5 mit den CV-Eingängen von einem A-111-4 und dem A-105-4 (für Filter Tracking) verbunden. Zusätzlich werden die ADSR-Steuerspannungen eines A-141-4 an die Default-Eingänge des Filters angeschlossen – über die Buchsen am Frontpanel jederzeit unterbrechbar.

Die Audio-Einzelausgänge des Filters sind zudem mit den Default-Audioeingängen des A-132-8 VCAs verbunden.

Verkabelung „unter der Motorhaube“, v.l.n.r.: A-141-4, A-132-8, A-105-4, A-111-4, A-190-5 mit Micro-Multiples zur Verteilung der Steuerspannungen des Midi-Interfaces auf VCO und VCF

Klangbeispiele

Quad AD/LFO steuert die Filter

Die Puls-Ausgänge eines A-111-4 werden von den 4 Ausgängen eines A-143-9 QLFOs in der Pulsbreite moduliert. Die A-105-4 Filter werden nicht von einem ADSR, sondern von den Ausgängen eines A-143-1 Complex Envelope Generators (alle EGs in LFO Modus) moduliert. Die vier Teilmodule des A-143-1 werden durch vier Trigger-Ausgänge eines A-149-2 zufällig (aber synchronisiert durch eine gemeinsame Clock) immer wieder neu gestartet. Ein A-141-4 steuert ganz traditionell den A-132-8 VCA. Etwas Hall und Delay aus der DAW.

Filtersteuerung durch den A-143-1.

Filter-FM durch die VCOs

Die Dreiecks-Ausgänge eines A-111-4 werden vom A-105-4 gefiltert. Als Modulationsquellen sind die Sägezahn-Ausgänge des A-111-4 mit den „FM“-Eingängen des A-105-4 verbunden. Zusätzlich wird die Filtereckfrequenz durch die „CV Note“-Ausgänge des A-190-5 Midi-Interfaces gesteuert. Ein A-141-4 steuert den nachfolgenden A-132-8 VCA, ebenso wie die vier Velocity-Ausgänge des A-190-5.

Weitere Modulationen: Ein langsamer A-143-9 moduliert die Eckfrequenz aller 4 Filter, ein weiterer (ebenfalls langsamer) A-143-9 steuert phasenverschoben Resonanz und Eingangslevel der vier Filter. Die Velocity-Ausgänge des A-190-5 steuern zudem die vier linearen VCAs im A-132-8.

Filter-FM

Nochmal Filter-FM

Hier verwende ich die Sägezahn-Ausgänge vom A-111-4 als Klangquellen, die Filter-FM übernehmen diesmal die Dreiecks-Ausgänge. Diese werden jetzt mit Hilfe eines A-130-8 Quad Linear VCAs in den Amplituden durch die Hüllkurvensignale des A-141-4 moduliert, bevor sie in den A-105-4 gehen. An Resonanz, Eingangslevel und Gesamt-FM der Filter schraube ich manuell. Delay und Reverb wieder aus der DAW.

Nochmal FilterFM.

Unisono

Warum nicht einmal die polyphonen Module monophon – „unisono“ einsetzen?

Das A-190-5 Interface ist diesmal nicht auf „poly“, sondern auf „unisono“ eingestellt. Damit wird jede Midi-Note auf alle 4 VCOs ausgegeben, Akkorde sind nicht möglich. Dafür ist ein VCO des A-111-4 eine Oktave nach oben, ein weiterer eine Oktave nach unten transponiert. Wir verwenden die Puls-Ausgänge, die Pulsbreite wird von einem A-143-9 moduliert. Das A-105-4 Filter wird (neben dem intern vorgepatchten Tracking) durch die A-141-4 Hüllkurven und durch einen zweiten A-143-9 moduliert. Dazu verwende ich zwei A-130-8 als „polyphone Mixer“. Beide A-143-9 werden zusätzlich durch die Note-CV des A-190-5 gesteuert. Die Sequenz stammt von einem Arturia KeyStep 37, Hall und Echo aus der DAW.

Die Hüllkurven stammen diesmal nicht vom A-141-4 Poly-ADSR, sondern von zwei A-140-2 Dual ADSRs und sind pro Stimme leicht unterschiedlich eingestellt.

Unisono.

Weitere Klangbeispiele mit deutlicher Beteiligung des A-105-4 befinden sich im Beitrag zum A-132-8.

Technische Daten

Breite8 TE
Tiefe50 mm
Strombedarf70 mA (+12V) / -70 mA (-12V)

A-141-4 Quad Poly VCADSR

Der A-141-4 ist ein nur 8 TE breiter vierfach-ADSR, der primär für polyphone Anwendungen gedacht ist. Daher gibt es auch nur einen Satz an Reglern für die Parameter der Hüllkurve – Attack, Decay, Sustain und Release, die alle vier Hüllkurven gleichermaßen bestimmen.

Zusätzlich finden wir vier Steuerspannungseingänge mit bipolaren Abschwächern für Attack, Decay, Sustain und Release – auch hier wieder für alle vier Hüllkurven gemeinsam.

Die Gate-Eingänge liegen natürlich separat für die vier Hüllkurven vor…

Bedienelemente

Eingänge:

CTRL-A141-4-IN

Ausgänge:

CTRL-A141-4-OUT

Regler / Schalter:

CTRL-A141-4-SW

Polyphone Spannungssteuerung

Für den polyphonen Einsatz ist es tatsächlich ungeheuer praktisch, alle vier Hüllkurven mit nur einem Satz Reglern einstellen zu können. Gerade beim Einsatz zur Steuerung der Filter hört man auch kleine Unterschiede in den Verläufen recht schnell.

Auch die Spannungssteuerung ist eine sinnvolle Option, für den polyphonen Betrieb müssen die vier ADSR-Generatoren ja ohnehin intern über Steuerspannungen geregelt werden. Aber gerade hier gäbe es noch zusätzliches Potenzial: Für ein ausdrucksstarkes Spiel auf einem Polysynth ist die Anschlagsdynamik (pro Note!) einer der wichtigsten Parameter. Neben Lautstärke und Filter kann man die Anschlagsstärke gerade auch für spannungsgesteuerte Hüllkurven einsetzen. Leichter Anschlag führt dann z.B. zu langsamen Attack- und Decay-Zeiten, harter Anschlag zu sehr kurzen Attack- und Decay-Zeiten (und dafür vielleicht zu längerem Release. Dafür müsste es aber für jeden der vier ADSR-Generatoren einen individuellen Steuerspannungs-Eingang geben, verbunden mit Reglern, wie diese Steuerspannung Attack, Decay und Release aller vier Hüllkurven beeinflusst.

Beim A-140-2 ist so etwas Ähnliches eingebaut, allerdings nur mit einem Abschwächer für alle drei Zeiten gemeinsam. Aber vielleicht gibt es ja mal ein kleines Zusatzmodul für den A-141-4, das die vier Steuereingänge (einen pro ADSR) und vier Abschwächer (einen pro Parameter, den aber gemeinsam für alle ADSR-Generatoren) enthält.

Hoher Ausgangspegel

Während die „alten“ A-140 ADSR noch mit 0V bis +8V arbeiten, hat Doepfer hier als Werkseinstellung einen höheren Ausgangspegel von 0V bis +10V verwendet. Das ist kompatibel mit dem polyphonen A-132-8 VCA, wird aber z.B. einen A-132-4 zum Clippen bringen. Abhilfe schafft eine Justierung des A-141-4 auf niedrigere Pegel, des A-132-4 auf höhere Pegel oder ein zwischengeschalteter vierfach-Abschwächer, wie etwa der A-183-5.

Konfigurationsmöglichkeiten auf der Platine

Wie bei den meisten neueren Doepfer-Modulen finden wir auch beim A-141-4 einige Jumper, um das Modul auf die persönlichen Bedürfnisse vorzukonfigurieren. Und wie bei den anderen polyphonen Modulen gibt es zusätzlich noch Pins zur Vorverkabelung mit anderen Poly-Modulen.

Release-Steuerspannung

Mit einem gesetzten Jumper JP4 auf Platine B lässt sich die Steuerspannung für die Release-Zeit mit dem Steuerspannungseingang für die Decay-Zeit „CVD“ vorbelegen. Ein Patchkabel in der Schaltbuchse „CVR“ unterbricht diese Vorbelegung.

JP4 setzt die Vorbelegung der Release-CV auf die Decay-CV (hier ohne Vorbelegung).

Attack- und Decay-Steuerspannung

Mit Hilfe der Jumper JP5 und JP6 auf Platine B lässt sich die Attack-Steuerspannung und die Decay-Steuerspannung vorbelegen.

JP5 und JP6 für die Vorbelegung der Attack- und Decay-Steuerspannung.

Attack – JP5:

  • In der (auf unserer Abbildung) linken Position wird die Attack-Steuerspannung des Eingangs „CVA“ auf eine konstante Spannung von 5V vorbelegt.
  • In der (auf unserer Abbildung) rechten Position wird die Attack-Steuerspannung des Eingang „CVA“ mit der Steuerspannung aus dem Regler „A“ vorbelegt.
  • Ohne Jumper: Keine Vorbelegung für den Eingang „CVA“.

Decay – JP6:

  • In der (auf unserer Abbildung) linken Position wird die Decay-Steuerspannung des Eingangs „CVD“ auf die Spannung des Eingangs „CVA“ vorbelegt, und zwar NACH dem Abschwächer „CVA“.
  • In der (auf unserer Abbildung) rechten Position wird die Decay-Steuerspannung des Eingangs „CVD“ auf die Spannung des Eingangs „CVA“ vorbelegt, und zwar VOR dem Abschwächer „CVA“ (also unabhängig von dessen Position).
  • Ohne Jumper: Keine Vorbelegung für den Eingang „CVD“.

Wie üblich setzen Patchkabel in den Schaltbuchsen auf der Frontplatte des Moduls diese Vorbelegungen außer Kraft.

Polyphone Vorverkabelung: ADSR-Ausgänge

Die Ausgänge für die ADSR-Steuerspannungen für alle vier „Stimmen“ stehen als Pins auf Platine A zur Verfügung.

Die vier ADSR-Steuerspannungs-Ausgänge.

Polyphone Verkabelung: Gate-Eingänge

Ab Version 2 des Moduls sind auf der Unterseite der Platine B (d.h. zwischen Platine A und B) vier Pins für die Vorbelegung der Gate-Eingänge vorhanden. Die Schaltbuchsen auf der Frontplatte des Moduls können diese Vorbelegung natürlich unterbrechen.

Gate-Eingänge für die vier ADSR-Generatoren (ab Version 2).

Achtung: Die Beschriftung der Eingänge auf der Platine ist bei Version 2 falsch. Der Pin ganz außen (hier im Vordergrund des Bildes) ist tatsächlich der Gate-Eingang für „Stimme 4“, der Pin ganz hinten der Gate Eingang für „Stimme 1“. Die auf der Platine aufgedruckte Reihenfolge ist invertiert.

Klangbeispiel – der „Doepfer-Patch“

In einem der ersten Videos zu den neuen polyphonen Modulen hat Dieter Döpfer einen sehr interessanten Patch vorgestellt, in dem die Tonhöhen der VCOs von einem Keyboard gesteuert wurden, die Gates für die Hüllkurven aber durch den A-157 Trigger Sequencer erzeugt wurden.

Mein Setup ist dem nachempfunden, allerdings habe ich an Stelle des polyphonen A-111-4 VCO und des polyphonen A-105-4 VCF konventionelle A-110-1 und A-111-1 VCOs zusammen mit einem A-120 Ladder Filter, einem A-101-1 Steiner Filter, einem A-106-5 SEM Filter und einem A-124 Wasp Filter verwendet – mit unterschiedlich vielen VCOs und unterschiedlichen Schwingungsformen als Eingangssignale.

Zusätzlich triggern die verbleibenden vier Spuren des A-157 einen A-142-4 Quad Decay, der wieder die vier Längen- bzw. Level-Parameter des A-141-4 moduliert. Ansonsten dudle ich halt auf dem Keyboard, um die Tonhöhen zu verändern und verändere manuell die Decay-Zeiten des A-142-4 bzw. die ADSR-Parameter des A-141-4.

Die vier Stimmen sind im Stereo-Panorama verteilt, etwas VTape Delay und Valhalla Reverb obendrauf.

Polyphones – mit dem A-157 Trigger Sequencer gesteuert.

Technische Daten

Breite8 TE
Tiefe45 mm
Strombedarf70 mA (+12V) / -60 mA (-12V)
Ausgangspegel0V … +10V

A-190-5 Polyphonic USB/Midi-to-CV/Gate Interface

Das A-190-5 ist ein Midi-to-CV/Gate-Interface, das in erster Linie für polyphone Anwendungen gedacht ist. Damit können über ein beliebiges Midi-Keyboard bis zu vier modulare Synthesizerstimmen gesteuert werden.

Polyphonie ist im Modularbereich immer noch eine eher exotische „Randerscheinung“. Aufwand, Kosten und Komplexität der Steuerung erscheinen vergleichsweise hoch, wenn man daneben moderne analoge oder virtuell-analoge Polysynths stellt. Trotzdem bewegt sich hier gerade einiges, was ich persönlich für höchst spannend halte.

Das Interface hat Midi-In und Midi-Thru, kann wahlweise auch über USB angesprochen werden und erlaubt die Steuerung von bis zu vier analogen Synthesizerstimmen mit Gate, CV für die Tonhöhe und für Velocity, sowie einem konfigurierbaren dritten CV-Ausgang für Modulationssignale.

Bedienelemente

Eingänge:

CTRL-A190-5-IN

Ausgänge:

CTRL-A190-5-OUT

Regler / Schalter:

CTRL-A190-5-SW

Die Sache mit dem USB-Port

Doepfer weist auf seiner Website darauf hin, dass die Verwendung des USB-Ports, z.B. als Interface zu einer DAW, Probleme mit sich bringen kann. Der Grund liegt darin, dass alle Midi-Signale, die über den DIN-Midi-Eingang oder über den USB-Port an das Modul gesendet werden, auch via Midi Thru über diesen USB-Port wieder ausgegeben werden.

Jede Note, die man also von der DAW an das Modul sendet, schickt es umgehend wieder zurück. Wenn nun die DAW-Spur, die das A-190-5 Interface ansteuert, auch noch alle an der DAW anliegenden Midi-Eingänge akzeptiert, dann kommt es zu einer Schleife und entsprechendem „Midi-Datensalat“.

Die Lösung des Problems ist allerdings ganz einfach: Man muss nur bei der DAW-Spur für das A-190-5 darauf achten, dass sie nicht Midi-Signale von eben diesem Modul akzeptiert. „All Midi Inputs“ z.B. ist also keine gute Idee für diese Spur. Manche DAWs bieten auch die Möglichkeit, bestimmte Midi/USB-Inputs ganz zu blocken, auch das ist eine Option.

Verbindungsmöglichkeiten über die Platine

Im Gegensatz zu vielen anderen Doepfer-Modulen neueren Datums sind auf den Platinen keine Konfigurations-Optionen untergebracht. Dafür aber zwei Pin-Leisten für die ausgegebenen Gate-Signale und „CV Note“ – Steuerspannungen. Darauf passen kleine Kabel (beim Elektronikhandel nach „Steckpins“ suchen), über die man das Interface mit dem polyphonen VCO A-111-4 bzw. dem polyphonen ADSR A-141-4 (ab Version 2, bei der ersten Version muss man noch löten) verbinden kann.

Die Steckverbindungen JP8 und JP9 für Gate und Note CV. Die anderen Jumper beinhalten keine User-Optionen.

Betriebsarten im Überblick

Mit Hilfe der „+“ und „-“ Taster kann zwischen den sechs Betriebsarten des Interfaces umgeschaltet werden. Die Unterschiede liegen in der Anzahl der Midi-Kanäle, auf die das Modul reagiert und darin, wie viele gleichzeitige Noten pro Midi-Kanal in die Modularwelt umgesetzt werden.

Betriebsart:Midi-
Kanäle:
Noten
pro
Kanal:
Verhalten der analogen Ausgänge:
Unisono
1+2+3+4
11Monophon auf allen vier Ausgängen gleichzeitig, alle Ausgänge spielen (unisono) die gleichen Noten.
In Summe also eine Modular-Stimme (vierfach ausgegeben).
Mono/Uni
1+2;3+4
21Ausgänge 1+2 spielen (unisono) die Noten des ersten Midi-Kanals, Ausgänge 3+4 (unisono) die Noten des zweiten Midi-Kanals.
In Summe zwei Modular-Stimmen (jeweils doppelt ausgegeben).
Mono
1;2;3;4
41Vierfach monophon, je ein Ausgang spielt monophon die Noten des jeweils eingestellten ersten bis vierten Midi-Kanals.
In Summme vier Modular-Stimmen.
Poly
1-2-3-4-1..
14Vierstimmige Polyphonie, den vier Ausgängen werden rotierend die gespielten Noten zugeordnet.
In Summme vier Modular-Stimmen.
Poly
1+2-3+4-1..
12Zweistimmige Polyphonie, den Ausgängen 1+2 (unisono) und 3+4 (unisono) werden rotierend die gespielten Noten zugeordnet.
In Summe zwei Modular-Stimmen (jeweils doppelt ausgegeben).
Poly
1-2-1;3-4-3
22Zweistimmige Polyphonie mit zwei Midi-Kanälen, den Ausgängen 1 und 2 werden rotierend die Noten des ersten Midi-Kanals zugeordnet, den Ausgängen 3 und 4 rotierend die Noten des zweiten Midi-Kanals.
In Summe vier Modular-Stimmen.

Programmierung der Optionen

Wenn man in einer der sechs Betriebsarten die „Enter“-Taste drückt, gelangt man in die Editier-Menüs des Interfaces. Zwischen den Optionen kann man mit den „+“ und „-“ Tastern wechseln, die Werte für die einzelnen Optionen stellt man durch Drücken auf „Enter“ und dann den „+“ / „-“ Tastern ein.

Option:Einstellmöglichkeiten:
RetriggerZeit von 0 bis 50 Millisekunden. Bei 0 ms wird beim Legato-Spiel kein erneuter Trigger/Gate auf dem entsprechenden Analog-Ausgang ausgegeben.
MidichannelDer Midi-Kanal, dessen Noten das Modul in analoge Gates und Steuerspannungen umwandelt (Kanal 1 bis 16). Bei den Betriebsarten für mehrere Midi-Kanäle werden die Kanäle nacheinander eingestellt und jeweils durch „Enter“ abgeschlossen, dann folgt die nächste Kanalauswahl.
RefnoteDie Midi-Referenznote, für die das Interface 0 V als Steuerspannung am Ausgang CV1 ausgibt. Das ist die tiefste Midi-Note, auf die das Modul reagiert. Bei den Betriebsarten für mehrere Midi-Kanäle werden die Referenznoten für jeden Midi-Kanal nacheinander eingestellt und jeweils durch „Enter“ abgeschlossen, dann folgt die Referenznote für den nächsten Midi-Kanal.
Der Wertebereich dieser tiefsten Midi-Note ist Midi-Note #24 bis #96, das entspricht C0 bis C6.
CV3Die Midi-Controller, die auf den vier Ausgängen „CV3“ ausgegeben werden. Hier hat man bei Doepfer sehr clever mitgedacht und für jeden der vier „CV3“-Ausgänge einen separaten Midi-Controller ermöglicht: Controller wie monophones Aftertouch, Modulationsrad oder Sustain-Pedal werden ja nicht pro Note erzeugt, sondern pro Midi-Kanal. Gerade im vierfachen Poly-Modus kann man damit vier unterschiedliche Controller für ein ausdrucksstarkes Spiel mit dem A-100 nutzen. Die Controller werden für jeden der vier „CV3“-Ausgänge nacheinander eingestellt und die Programmierung jeweils durch „Enter“ abgeschlossen, dann folgt der Midi-Controller für den nächsten „CV3“-Ausgang.

Retrigger in der Praxis:

Was bedeutet die Einstellung einer Retrigger-Zeit in der Praxis? Grundsätzlich wird das Interface bei jeder neuen Note ein Gatesignal am „Gate“-Ausgang ausgeben. Da Gate-Signale immer so lange ausgegeben werden, wie die Taste gedrückt bleibt, überlappen sich beim Legato-Spiel in den „Mono“- bzw. „Unisono“-Betriebsarten die erzeugten Gate-Signale des entsprechenden Analog-Ausgangs und die Hüllkurve wird nicht neu gestartet.

Um einen Neustart der Hüllkurve zu erzwingen, kann man nun eine Zeit von 1-50 ms einstellen, in der das Gate-Signal unterbrochen wird, sobald die neue Taste gedrückt wird. Hier muss man etwas probieren: Zu kurze Pausen werden die Hüllkurve evtl. nicht neu starten, zu lange Pausen wird man bei perkussiven Hüllkurven möglicherweise als leichte Verzögerung hören.

Wenn die Retrigger-Zeit auf 0 ms eingestellt ist, wird beim Legato-Spiel das Gate-Signal nicht unterbrochen und die Hüllkurve in diesem Fall nicht neu gestartet. Das ist eigentlich auch das Standard-Verhalten klassischer (monophoner) Analogsynthesizer.

Bei den Poly-Betriebsarten konnte ich keine Auswirkungen der Retrigger-Zeiten feststellen – hier übernimmt ja auch jeweils die nächste analoge Stimme mit einem eigenen Gate-Signal. Beim „Überlauf“ der Stimmen gibt nach der vierten analogen Stime wieder der erste „CV Note“-Ausgang eine neue Steuerspannung aus, der erste „Gate“-Ausgang unterbricht allerdings sein Gate-Signal nicht, um es neu zu starten.

Refnote in der Praxis:

Für die meisten Keyboards genügt C0 (Midi-Note #24) als tiefste mögliche Note, bei einem 88-Tasten-Keyboard wie meinem LMK2 z.B. reicht die Tastatur allerdings noch etwas weiter hinunter bis zum A-1 (das ist dann die Midi-Note #21). Damit die untersten drei Tasten nicht ungenutzt bleiben, kann man das Keyboard gegebenenfalls 1 Oktave nach oben transponieren, um den vollen Umfang auszunutzen. Vom Interface her sind dem Tonumfang mit seinen bis zu 10 Volt Steuerspannung (= 10 Oktaven bei 1V/Oktave!) nach oben kaum Grenzen gesetzt.

Steuerspannungen bis 10 Volt:

Das A-190-5 Interface liefert durchaus potente 10V an maximaler Steuerspannung. Das ist für einige der „normalen“ (nicht-polyphonen) Module schon eine ganze Menge, ein A-140 liefert z.B. nur bis zu 8V ab, LFOs üblicherweise bis 5V (oder teilweise +/- 2,5V). Kaputt machen kann man damit natürlich nichts, aber man sollte die Abschwächer von Filtern usw., die vom A-190-5 gesteuert werden, im Vergleich etwas weiter herunter regeln, um sinnvolle Steuerungsbereiche zu erhalten. Die polyphonen Module A-141-4 VC ADSR und A-132-8 Octal Poly VCA sind übrigens ebenfalls auf +10 V Steuerspannungen ausgerichtet.

Einschränkungen und mögliche Weiterentwicklungen:

Das Interface hat derzeit (Juni 2021) noch den allerersten Softwarestand. Normalerweise verfeinert Doepfer seine digital gesteuerten Module noch weiter, so dass wir hier auf künftige Features hoffen können.

Viele monophone Midi-to-CV-Interfaces bieten kleine „Helfer-Funktionen“ wie digital erzeugte LFOs, Portamento (pro Ausgang individuell einstellbar) oder die Umsetzung des Midi-Pitchwheels in die Steuerspannung für die VCOs. Das wäre auch beim polyphonen Einsatz sehr praktisch.

Auch bei der Umsetzung der einzelnen Noten in die CV-Ausgänge gäbe es noch sinnvolle Optionen: Ein echter „Round Robin“, der tatsächlich bei jeder neuen Midi-Note auf den nächsten CV/Gate-Ausgang wechselt, würde jede (auch nur kurz angespielte) Note ausklingen lassen, während die nächste Note gespielt wird. Oder eine reine Zufalls-Zuordnung der analogen Ausgänge pro Midi-Note, z.B. wenn man vier verschiedene Filter oder unterschiedliche Schwingungsformen der VCOs einsetzt. Derzeit wird bei überlappenden Noten der nächste freie Analog-Ausgang verwendet, eine einstimmige – nicht legato gespielte – Melodie landet somit aktuell stets auf dem ersten analogen Ausgang.

Was ich tatsächlich sehr vermisst habe, ist die Implementierung des Midi-Pitchbend-Rades im Interface (oder ich war einfach zu doof, es zu finden). Im Gegensatz zu Modulationsrad und monophonem Aftertouch ist das Pitchbend-Rad kein „Midi-Controller“ mit Werten zwischen 0 und 127, sondern setzt sich aus zwei Bytes (das sind 14 Bit in der Midi-Welt) zusammen, die insgesamt 16.383 möglichen Werten entsprechen. Eine Implementierung würde idealerweise direkt die „CV Note“ Ausgänge beeinflussen oder über einen der „CV3“-Ausgänge ausgegeben werden. Bis die Option im A-190-5 verfügbar ist, kann man ein zusätzliches A-190-3 Interface und dessen dediziert dafür vorhandenen „CV Pitch“ Ausgang verwenden.

Warten wir’s ab, Doepfer ist ziemlich kreativ (und produktiv!), aber im Kern halt auch eine relativ kleine Firma mit begrenzten Ressourcen, die sich um eine sehr große Anzahl von Modulen kümern muss.

Ein Wort (oder zwei) zu den polyphonen A-100 Modulen

Polyphone Module sind eine Herausforderung. Wo sonst ein einacher Potentiometer – also ein manuell einstellbarer Widerstand – die Regelung einer Steuerspannung übernimmt, muss man das bei polyphonen Modulen z.B. über mehrere integrierte VCAs erledigen, die dann wieder über eine Spannung und besagten Potentiometer gesteuert werden. Das kostet Geld durch die zusätzlichen Bauteile und es bringt Aufwand bei der Abstimung des Moduls mit sich, die (vier) Teilmodule sollen ja möglichst ähnlich reagieren.

Doepfer bietet – als einziger mir bekannter Hersteller – eine ganze Reihe von Modulen an, die für einen polyphonen Einsatz tauglich sind: einen vierfach-VCO A-111-4, ein vierfach-Filter A-105-4, einen vierfach-ADSR A-141-4 (der natürlich grundsätzlich spannungsgesteuert arbeitet), einen vierfach-, nein achtfach-VCA A-132-8. Damit lässt sich schon einiges anstellen, während der Platzbedarf überschaubar bleibt: Filter, ADSR und VCA sind jeweils nur 8 TE breite „Slim Line“ Module. Vierfach-LFOs gibt es ohnehin schon länger. Und modular-mäßig bewegen wir uns natürlich auch deutlich jenseits der „Standard-Polyphonen“, schließlich hat man ja ein Modularsystem.

Was ich mir für künftige Entwicklungen noch wünschen würde, wäre auf jeden Fall ein 8-in-4-Mischer oder besser 16-in-4-Mischer – mit gemeinsamer Steuerung für die 4 Ausgangskanäle, um mehr als einen VCO pro Stimme einzusetzen. Und vielleicht noch ein paar kleine Hilfsmodule, wie einen vierfachen Waveshaper, einen vierfachen Slew-Limiter mit Aufholverstärker (oder gleich eine polyphone Portamento-Option im A-190-5) oder einen einfach gestrickten vierfachen Suboszillator.

Und ja, man könnte sich sehr viele weitere polyphone Filter wünschen. Tatsächlich finde ich persönlich aber gerade die Filter die am wenigsten problematischen Module für polyphone Anwendungen. Die Doepfer-Filter sind fast alle recht preiswert und eine Abstimmung mehrerer Filter ist schnell erledigt. Dann noch einen freien CV-Eingang für die gemeinsame Steuerung der Eckfrequenz und alles ist gut. Falls es doch noch ein polyphones Filter-Modul sein soll, wäre ich persönlich für ein leicht abgespecktes Xpander-Filter mit möglichst vielen der 12 db und – besser noch – 6 dB – Filtermodi.

Grundausstattung für Polyphonie

Die Basis für ein polyphon einsetzbares Modularsystem ist tatsächlich das Midi-Interface A-190-5. Alles andere (A-111-4, A-105-4, A-141-4, A-132-8) ist ungemein praktisch und erleichtert spürbar die Bedienung beim Spielen des Systems, kann aber notfalls durch eine Reihe von Einzelmodulen ersetzt werden, die man dann halt „per Hand“ aneinander angleichen muss.

Ein minimalistisches polyphones System könnte auch aus einem A-190-5 und vier A-111-6 Miniature Synthesizer Voices bestehen. Warum auch nicht? Beim Oberheim Four Voice musste man auch jede Stimme manuell einstellen.

Klangbeispiele

Für ein erstes Test-Setup habe ich auf bereits vorhandene Module in meinem Rack zurück gegriffen: Basis waren meine A-110-1 VCOs (flankiert von einem fast identisch klingenden A-110-2), beim Filter war die Wahl schnell getroffen, als „BBD-Ergänzung“ (vgl. Beitrag zum A-188-1) befinden sich sechs A-108 in meinem Rack (für die BBDs besonders geeignet aufgrund der 48dB-Flankensteilheit), andere Filter hatte ich schlicht nicht in ausreichender Anzahl „gesammelt“.

Als VCA hatte ich zunächst den A-132-4 Quad Exponential VCA angedacht, der war allerdings mangels CV-Abschwächer bei den 10 V Ausgangsspannung des A-141-4 ADSRs nicht verzerrungsfrei einsetzbar. Stattdessen vier A-140 wären schon machbar, aber deutlich umständlicher als der polyphone ADSR-Generator. Also den linearen A-135-2 VC Mixer mit dem A-141-4 kombiniert und alles ist gut.

Die „Gate“-Ausgänge des A-190-5 triggern die vier Hüllkurven des A-141-4. Diese Hüllkurven steuern zugleich den A-135-2 VC Mixer und die vier A-108-Filter (mit Hilfe der überaus praktischen „Stackables“ gepatcht).

Die „CV Note“-Ausgänge des A-190-5 gehen jeweils in einen A-185-2 Precision CV Adder (von denen man übrigens NIEMALS genug haben kann), jeder A-185-2 ist mit zwei A-110-1 VCOs verbunden (bei einer Stimme mit einem A-110-1 und einem A-110-2). Der erste VCO pro Stimme ist ein in der Pulsbreite moduliertes Rechteck (Modulation durch vier LFOs im A-143-3), der zweite VCO ein Sägezahn eine Oktave darüber. Wie mischt man die VCOs? Noch gibt es leider keinen „polyphonen Mixer“, also habe ich einen A-138e Quad Crossfader dafür verwendet. Dessen vier Ausgänge gehen in die vier A-108 Filter.

Der „CV2“-Ausgang (= Anschlagdynamik der gespielten Midi-Noten) des A-190-5 steuert – zusätzlich zu den Hüllkurven – die Eckfrequenz der A-108-Filter über deren dritten CV-Eingang. Gerne hätte ich auch noch die Lautstärke mit der Anschlagsdynamik beeinflusst, aber das muss dann warten, bis ich einen A-132-8 Octal Polyphonic VCA habe.

Als „Sonderwunsch“ hatte ich noch ein polyphones Portamento im Sinn. Das Interface unterstützt das derzeit leider noch nicht, es gibt auch keinen vierfach-Slew-Limiter. Doch halt: den gibt/gab es schon: Der A-129 / 3 gemeinsam mit dem A-129 / 4 aus dem leider mittlerweile eingestellten Vocoder-Subsystem.

Das Modulationsrad meines LMK2 wird auf einen der „CV3“-Ausgänge gelegt und steuert gleichzeitig Frequenz und Amplitude (über einen A-132-4 VCA) eines A-143-4 Quad VCO/VCLFOs. Das Sostenuto-Pedal (das linke Pedal) am LMK2 wird ebenfalls auf einen der „CV3“-Ausgänge gelegt und reduziert das Portamento über den A-129 / 4. Schließlich landet auch der monophone Aftertouch auf „CV3“ und wird von dort auf die vier noch freien Steuerspannungseingänge der A-108 Filter gepatcht.

In Summe also doch das eine oder andere Modul verbaut, aber es macht tatsächlich ungeheuer Spaß, das A-100-System polyphon zu spielen.

Im ersten Klangbeispiel verwende ich den „Poly“-Modus, langsame Attack- und Release-Zeiten und die „6dB“-Ausgänge der Ladder-Filter. Hier, wie auch im zweiten Klangbeispiel werden die vier Stimmen im Stereobild verteilt und mit einem VirSyn VTape-Delay und einem Valhalla-Reverb in der DAW versehen.

Polyphone Spielereien.

Das zweite Klangbeispiel verwendet den „Unisono“-Modus, die Hüllkurve ist auf sehr kurze Attack- und Release-Zeiten eingestellt, ich verwende die 24dB-Ausgänge der Ladder-Filter mit deutlich höherer Resonanz. Auch hier sind die Einzelstimmen im Stereobild verteilt und mit VTape und Valhalla „gewürzt“.

Monophone „Spielereien“.

Technische Daten

Breite16 TE
Tiefe55 mm
Strombedarf120 mA (+12V) / -40 mA (-12V)