Kapitel 1: Vom Buch zur Website – warum das Ganze?

Die erste Auflage vom »Großen Buch zum A-100« war entstanden aus meinem eigenen Bedürfnis, alles Wissenswerte zu meinem damals frisch erworbenen Modularsystem zusammenzufassen. Entgegen allen Trends und Empfehlungen hatte ich mir ein »monokultur«-System ausschließlich mit Modulen von Doepfer zusammengestellt und es – ebenfalls gegen alle Ratschläge – von Anfang an mit einer vergleichsweise umfangreichen Anzahl an Modulen ausgestattet.

Da stand also – Anfang 2010 – das kostbare Trumm und war auch genau das, was ich mir gewünscht hatte. Vieles konnte ich mir mit etwas Synthesizer-Grundwissen herleiten und gleich loslegen: Was macht ein VCO, was ein VCA, VCF usw. Aber für manches Modul gab es »Spezialwissen«, wie Jumper-Positionen, spezielle Einsatzmöglichkeiten, aber auch Grenzen wie z.B. die Tauglichkeit für Audio und / oder langsame Modulationssignale, sowie kleine Fehler bei bestimmten Produktionsreihen einzelner Module, die zu berücksichtigen waren. Ein umfangreiches Handbuch, um das alles nachzuschlagen wäre schön gewesen! Damals gab es durchaus schon viele Informationen zum A-100, aber leider verstreut auf verschiedene Quellen und mit ganz unterschiedlicher Ausrichtung, Qualität und Anspruch an den geneigten Leser.

Na gut, ein Buch also. Braucht das außer mir sonst noch jemand? Wird das ein Verlag drucken? Lohnt sich der ganze Aufwand überhaupt? Schnell war klar, dass die »Zielgruppe« zwar vorhanden, aber das Buch dennoch leider sehr weit entfernt von einer Bestseller-Platzierung sein würde. Also ein eigener Kleinstverlag, es folgten Rechentabellen mit Druckkosten, Endverbraucher-Preisen, Händler-Margen, Steuern usw. Erste Erkenntnis: Die Druckkosten schwanken ganz enorm je nach Auflagenhöhe! Trotzdem nutzt es nichts, 20.000 Bücher zu einem sehr günstigen Preis zu produzieren, wenn die verehrte Fangemeinde dann leider nur 500 Stück kauft.

Endlich war mein Buch fertig!

Ende 2011 war es dann so weit, die erste Auflage war gedruckt, auf einer mehrere hundert Kilogramm schweren Europalette geliefert worden und schließlich im Keller meiner damaligen Münchner Wohnung verstaut.

Ohne die Unterstützung Dritter wäre das Projekt mit Sicherheit nicht geglückt: Allen voran Dieter Döpfer, der stets ein offenes Ohr für meine Fragen hatte, aber auch die Musik-Händler, die das Buch dann in ihr Programm nahmen: Hieber Lindberg in München, die Firma Doepfer selbst natürlich ebenfalls, Schneiders Laden in Berlin, Stromraum in Stuttgart, Synmag Verlag in Rellingen, Just Music in Berlin und einige mehr. Vielen Dank, ich hoffe es hat Euch ebenso viel Freude bereitet wie mir!

Heute ist diese erste Auflage längst komplett verkauft, einige der beschriebenen Module mussten mangels rar gewordener Komponenten (Curtis-Chips!) aus dem Programm genommen werden und eine unglaubliche Anzahl neuer Module ist hinzugekommen. Grund genug also, um über eine neue Auflage nachzudenken.

Die Gliederung hat mir dabei das meiste Kopfzerbrechen bereitet: Ich wollte z.B. gerne weiterhin die Vielschichtigkeit der meisten Module zeigen – ein Sequencer kann auch Oszillator spielen, ein Delay kann das ebenfalls, aber auch ein »primitiver« Schalter oder ein Morphing-Generator können erstaunliche Dinge mit einfachen Schwingungsformen anstellen. Die neuen Module von Doepfer unterstreichen diese Vielschichtigkeit noch weiter (Thru-Zero-Oszillatoren, mehr sog i ned!)

In der ersten Auflage hatte ich versucht, diese Vielschichtigkeit durch mehrere Abschnitte pro Modul darzustellen: ein Eintrag im Kapitel über die Oszillatoren, ein weiterer bei den Sequencern, usw. Letztlich stößt das aber an seine Grenzen und wird etwas unübersichtlich. Irgendwann sogar sehr unübersichtlich. Außerdem wollte ich die neue Auflage – dem Sujet gemäß – modular anlegen, so dass neue Module künftig einfach in das bisherige “Werk” integriert werden können. Mit mehrfach-Einträgen für jedes Modul ist so etwas kaum mehr realisierbar. Dann hatte schon das ursprüngliche Buch eine Menge von Querverweisen, weil halt immer mal ein Modul im Kontext eines anderen Moduls interessant war. In gedruckter Form hat das ebenfalls Grenzen, auch hier werden Querverweise bald unübersichtlich.

Also Neustart. Alle bisherigen Informationen – und jede Menge Neuheiten – wurden auf die Website übertragen, die Sie nun vor sich sehen. An Stelle eines Buches, das bald veralten würde, haben Sie nun den Zugriff auf ein dynamisch wachsendes Medium vor sich.

Viel Spaß beim Lesen!

Somit bleibt mir die Hoffnung, dass sich der geneigte Leser an dieser Stelle denkt: »Ach, das ist ja praktisch!«

Hohenlinden, im Oktober 2017
Andreas Krebs

Nächstes Kapitel:
Synthesizer – Grundlagen