Kapitel 8: Merkwürdige, aber hilfreiche Module

Mit den bisher betrachteten Modulen lassen sich bereits phantastische Instrumente bauen. Uns stehen verschiedene Klangerzeuger, Filter und weitere Werkzeuge zum Formen der Klänge, Mischer und Modulationsquellen, sowie die wichtigen Trigger-/Gate-Signale zur Verfügung. Was noch fehlt sind eine Reihe sehr interessanter Tools, mit denen wir unsere Steuerspannungen oder aber unsere Trigger- und Gatesignale verändern können. Wie muss man sich das vorstellen? Bei Steuerspannungen können z.B. abrupte Änderungen geglättet werden oder aber kontinuierliche Spannungen auf wenige diskrete Werte begrenzt, LFO-Schwingungsformen können gefaltet werden. Trigger können verzögert, invertiert oder mit Hilfe von logischen Operationen miteinander verknüpft werden, die Frequenz von regelmäßigen Clock-Triggern kann geteilt oder vervielfacht werden, usw.

Mischen, abschwächen und invertieren – die Basics

Mischer kennen wir bereits aus dem Audio-Bereich und selbstverständlich können wir auch mehrere Steuerspannungen mischen. Hier bieten sich dann eher die Mischer mit linear arbeitenden Potentiometern an. Abschwächer sind sozusagen ein einzelner Eingang eines Mischers, wenn wir die Intensität des Modulationssignals anpassen möchten, aber das Eingangsmodul dafür z.B. keinen Regler hat. Statt Abschwächern kann man natürlich auch VCAs verwenden und die Intensität der Modulation mit einem zweiten Steuersignal modulieren. Invertierer schließlich erzeugen aus einer positiven Spannung eine negative und umgekehrt. Abschwächer mit normalem und invertiertem Regelbereich des Potentiometers nennt man Polarizer, bzw. wenn sie mehrere Eingangskanäle aufweisen polarizing Mixer.

Slew Limiter

Slew Limiter sind die „Klassiker” in dieser Kategorie. Schon bei den ersten Moog-Systemen waren Slew Limiter eingebaut, mit denen man dann ein Portamento (d.h. ein Verschleifen der Tonhöhe) zwischen zwei gespielten Tönen erzeugen konnte. Bei „Lucky Man” von Emerson, Lake & Palmer kommt dieser Effekt sehr prominent zum Einsatz. Letztlich ist ein Slew Limiter so etwas wie ein einfach gebautes Tiefpassfilter: Schnelle Veränderungen (d.h. hohe Frequenzen) werden abgerundet.

In die Reihe der Slew Limiter (A-170, A-171) gehört der A-129 / 3 natürlich noch dazu. Um als Slew Limiter (5 Kanäle, mit synchroner Steuerung) genutzt zu werden, ist zusätzlich der A-129 / 4 Slew Limiter Controller erforderlich.

Quantizer

Quantizer sind in gewisser Hinsicht das gegenteil von Slew Limitern: Eine beliebige Spannung wird durch den Quantizer auf bestimmte – musikalisch erwünschte! – Werte gerastert. Ein klassischer Einsatzzweck ist in Verbindung mit einem analogen Sequencer. Hier möchte man die Tonhöhen sicher auf eine Tonleiter (oder Dreiklänge) einstellen, ohne dass minimale Veränderungen der Sequencer-Potis gleich zu „verrstimmten” Ergebnissen führt.

Der A-156 Dual Quantizer wird meist zur Erzeugung von Steuerspannungen für VCOs eingesetzt. Aber auch bei Filtern (wenn sie denn halbwegs gut auf 1 V / Oktave kalibriert sind) ist der Einsatz lohnend. Man kann z.B. eine Zufallsspannung quantisieren und ein Filter damit »tonal« modulieren – der Effekt wird bei steigender Selbstresonanz sehr deutlich, ist aber auch schon davor wirkungsvoll.

Eine gemeinsame Steuerspannung moduliert sowohl VCO als auch VCF der A-111-5 Synthesizer Voice. Allerdings wird die Steuerspannung noch mit dem A-156 quantisiert, bevor sie das Filter erreicht: So kann man zu einer (chromatischen) Melodie des Oszillators beim Filter nur die Töne des jeweils nächsten Dur- oder Moll-Dreiklangs erklingen lassen. (Wenn sich A-111-5 und A-185-2 auf dem gleichen Bus befinden, ist das Verbindungskabel zum VCO nicht erforderlich und auch nicht sinnvoll.)

Waveshaper für Steuerspannungen

Es wird nicht erstaunen, dass man hier zum Teil Module einsetzen kann, die auch für Audiosignale geeignet sind bzw. umgekehrt: Modularsysteme (mit Ausnahme der Systeme von Buchla!) unterscheiden meist ohnehin nicht grundsätzlich zwischen Audio- und Steuer­spannung, von wenigen physikalischen Einschränkungen mal abgesehen. Während Slew Limiter und Quantizer mit beliebigen Steuerspannungen arbeiten können, sind bei Waveshapern prinzipbedingt eher LFOs als Spannungsquelle interessant.

Interessant sind insbesondere die Waveshaper / -multiplier: A-116, A-136, A-137-1 und A-137-2. Sie können aus einem einfachen LFO-Signal höchst komplexe Schwingungsformen zaubern, die sich bestens für Modulationen bei Drones und Effekten eignen. Wie beim Audio-Einsatz gilt auch hier, dass die Waveshaper nur wenig mit Rechteck / Puls als Eingangsmaterial anfangen können.

Steuerspannungen kreativ kombinieren

Zwei oder mehr Steuerspannungen (z.B. mehrere LFOs) kann man nicht nur banal zusammenmischen, um ein komplexeres Modulationssignal zu erhalten. Es gibt auch eine Reihe von Modulen, die mehrere Signale auf recht kreative Weise kombinieren. Das können Ringmodulatoren sein, Max/Min-Schaltungen, ein Comparator oder auch Track & Hold-, bzw. Sample & Hold-Schaltungen.

Trigger und Gates – die Länge ist entscheidend

Eine grundlegende Art der Manipulation von Trigger- und Gatesignalen ist die Veränderung der Länge des Signals (was freilich nur beim Einsatz als Gate von Bedeutung ist). Auch die Umwandlung kurzer Triggersignale in längere Gatesignale oder umgekehrt, sowie die Verzögerung von Triggern um einen konstanten Betrag gehört in diese Gruppe.

Eine solche Transformation kann eine Verzögerung sein (A-162), Umwandlung von Triggern in (längere) Gatesignale (A-162, A-142) oder umgekehrt (A-165), eine logische Kombination von Gatesignalen oder Triggern (A-166, A-186-1), oder einfach eine Umkehrung von »an« und »aus« bei Gate­signalen (A-165, A-166).

Mehrere Trigger treffen aufeinander

In der einfachsten Variante wird für jedes Triggersignal an einem der Eingänge auch ein Triggersignal am Ausgang des Moduls erzeugt. Genau gleichzeitige Trigger bleiben ein einzelner Trigger und überlappende Gates werden zu einem einzelnen längeren Gate.

Deutlich raffinierter – aber auch mit der Notwendigkeit von etwas mehr gedanklicher Vorarbeit sind logische Verknüpfungen wie „AND”, „OR”, „XOR” usw. Für eine ganz banale Invertierung eines Gate-Signals ist zwar nur ein einzelnes Eingangssignal erforderlich, es handelt sich aber ebenfalls um eine logische Operation („NOT”).

Erzeugen von Gates aus anderen Signalen

Der A-167 Analog Comparator wurde bereits bei den Modulen für Steuerspannungen vorgestellt, er kann aus »normalen« Steuerspannungen Gatesignale erzeugen. Ebenso wäre hier das Modul A-119 External Input / Envelope Follower zu nennen: es erzeugt aus einem Audiosignal nicht nur eine Hüllkurve, sondern auch ein Gatesignal.

Rhythmische Manipulation

Ein großes und spannendes Feld sind die rhythmischen Manipulationen an regelmäßigen Trigger-Folgen, sogenannten „Clock”-Signalen, wie sie zum Beispiel zum Takten eines Sequencers verwendet werden. Früher gab es hier nur recht einfach aufgebaute Frequenzteiler, die dann zum Beispiel ein in der Frequenz halbiertes Clock-Signal immer „auf die zwei” ausgaben (was leider in den meisten Fällen nicht besonders „musikalisch” ist). Mittlerweile baut Doepfer sehr trickreiche Clock-Teiler, die ihre geteilten Signale stets „auf die eins” ausgeben und sich pertfekt für komplexere Sequencer-Steuerungen eignen. Neu ist auch ein „Clock-Multiplier”, der ein vorhandenes (im Tempo stabiles!) Clock-Signal vervielfältigen kann und das auch noch per Spannungssteuerung, um z.B. die von Tangerine Dream bekannten „Ratcheting”-Sequencen nachzubilden.

Weitere Module zum Verändern von Triggern

Eine ganze Reihe weiterer Module, denen man das nicht unbedingt »ansieht«, eignen sich sehr gut zur Manipulation von Triggern und Gates, sowie für Clocksignale (die ja auch nur regelmäßige Trigger zur synchronen Steuerung von Sequencern sind).

A-142: Schwerter zu Pflugscharen, Trigger zu Gates

Das A-142 Voltage Controlled Decay / Gate ist nicht nur ein Hüllkurvengenerator, sondern ein nettes Tool, um Trigger- in Gatesignale umzuwandeln. Die Länge des Gatesignals ist abhängig von der Decay-Länge und dem Threshold-Wert (beides manuell per Regler einstellbar). Damit wird aus einem Triggersignal am Eingang »Trig. In« ein Gatesignal am Ausgang »Gate Out« bzw. ein logisch invertiertes Gatesignal am Ausgang »Inverse Gate Out« erzeugt.

Teilung von Clocksignalen

Die Frequenzteiler A-113, A-160 und A-163 eignen sich durchweg sehr gut dafür, Clocksignale zu teilen, um damit komplexe rhythmische Strukturen zu erzeugen. Insbesondere der A-113 Subharmonic Generator ist mit seinen vier unabhängigen und speicherbaren Frequenzteilern ein mächtiges Werkzeug. Zudem können verschiedene Teiler-Kombinationen über Gatesignale (Eingänge »Foot Ctr. In 1« und »Foot Ctr. In 2«) während des laufenden Betriebs abgerufen werden.

»Musikalische« Teilung von Clocksignalen

Auch der Schalter A-151, sowie der luxuriös ausgestattete A-152 sind höchst spannend beim Bearbeiten von Clocksignalen. Mit ihnen kann man Clock-Teiler bauen, die »musikalisch« arbeiten: die geteilten Clock-Frequenzen bleiben mit ihnen synchron zum ursprünglichen Takt, d.h. sie triggern auf der »Eins« (und nicht auf der letzten Zählzeit wie ein A-163). Entsprechende Patches sind bei den beiden Modulen beschrieben.

Der Rhythmus, wo ich immer …

Die Sequencer A-155 und A-161 können aus Clocksignalen rhythmische Muster bilden, indem eine Auswahl vorgenommen wird, bei welchem Clocksignal auch ein Gatesignal am Ausgang gesetzt wird bzw. bei welchem nicht.

Zufall im Takt

Die Zufallsgeneratoren A-149-1 und 2, sowie A-117 haben einen Clock-Eingang, der die Erzeugung zufälliger Trigger innerhalb des Rasters der Clock ermöglicht.

Voriges Kapitel:
Modulatoren – Klänge werden bewegt